Es ist kalt in Bern, der erste Schnee kündigt sich an. Kommissarin Nore Brand hat eine Woche Ferien. Doch als der Direktor des Grandhotels in der Lenk umkommt, wird sie von der Kioskbetreiberin Elsi Klopfenstein um Hilfe gebeten. Zusammen mit ihrem Assistenten Nino Zoppa reist Brand ins Simmental. Die inoffiziellen Ermittlungen führen die beiden weiter ins herbstliche Amsterdam und zurück in einen kalten Stollen in den Alpen.
«Wahrscheinlich ist viel von mir in der Figur der Nore Brand, auch wenn mir das beim Schreiben nicht bewusst war», sagt die 56-jährige Autorin Marijke Schnyder. Die Schweizerin mit holländischen Wurzeln legt mit «Stollengeflüster» ihren zweiten Kriminalroman vor. Sie knüpft darin an ihr Debüt «Matrjoschka-Jagd» aus dem Jahr 2010 an. «‹Stollengeflüster› ist als Abschluss der Geschichte des ersten Bandes gedacht, kann aber gut auch unabhängig davon gelesen werden», erklärt Schnyder.
Präzision und unscharfe Stellen
Der Krimi lebt auch von klassischen Spannungsmomenten. Doch für Schnyder steht nicht die stringente Aufklärung des Verbrechens im Zentrum. «Mich interessiert das Erzählen von Geschichten. Das Auslösen eines Chaos, um es am Ende wieder zu entwirren», sagt sie. Gewisse Dinge nimmt sie dabei sehr genau unter die Lupe, andere lässt sie bewusst weg. Zu präzisen Beschreibungen gesellen sich unscharfe Stellen, die dem Leser viel Freiheit für gedankliche Imagination lassen.
Schnyder verrät zum Beispiel allerhand Details aus dem Leben des Assistenten Zoppa, doch am Ende der Lektüre muss man feststellen, dass man nicht einmal dessen Alter genau bestimmen kann. Dafür möchte man bei ihrer Beschreibung des windigen Amsterdams am liebsten unter die Bettdecke schlüpfen.
In den Hirnwindungen
Schnyder ist Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Bern. Für sie ist das literarische Schreiben auch ein Akt der Befreiung. Als Autorin muss sie keine wissenschaftlichen Kompetenzen unter Beweis stellen und kann sich thematisch frei bewegen. Für die Zukunft möchte sie sich nicht festlegen, denn ihr Schreiben sei stark lustbetont und lasse sich nicht planen. «Aber ein dritter Fall geistert bereits in meinen Hirnwindungen herum», verrät sie.





