Hinweise von de Simoni
Christian de Simoni liest selber viel, denn er findet: «Schreibende müssen viel mehr lesen als schreiben.» Hier seine Empfehlungen für ein spannendes literarisches Auffahrtswochenende in Solothurn:
Freitag, 18.5
Matthias Nawrat mit «Wir zwei allein» (Landhaus, 11 Uhr, und Klosterplatz, 17 Uhr):
Nawrats Buch handelt von Liebe und Gemüse im Schwarzwald. Was will man mehr?
Thomas Meyer mit «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» (Landhaus, 15 Uhr)
Ich mag Meyers Humor. In seinem Roman geht es um einen Juden und dessen Mühen, eine passende jüdische Frau zu finden.
Samstag, 19.5.
Heinz Emmenegger mit «Pfister» (Landhaus, 11 Uhr).
Seine Kürzestgeschichten sind sehr amüsant. Und Pfister ist irgendwie seltsam.
Rudolph Jula mit «Slow travelling» (Landhaus, 14 Uhr).
Jula schreibt darüber, wie man möglichst langsam reist. Als Berner interessiere ich mich dafür.
Sonntag, 20.5.
E. Y. Meyer mit verschiedenen Romanen (Landhaus, 14 Uhr).
Vielleicht wird er dereinst der erste Berner Literaturnobelpreisträger sein.
Spoken Word mit Chirikure Chirikure, Meena Kandasamy und Lebogang Mashile (Landhaus, 14 Uhr).
Ich kenne zwar die Künstler nicht. Der Anlass tönt trotzdem vielversprechend.
Was sonst meist im stillen Kämmerlein geschieht, wird in Solothurn einmal pro Jahr zum Grossereignis und zum Erlebnis für Auge und Ohr: die Schriftstellerei. An der Werkschau des Schweizer Literaturschaffens stehen nicht nur die Texte im Zentrum, sondern auch die Autoren dahinter. Unter dem Motto «Wie küsst die Muse heute?» gibt es an 75 Veranstaltungen mit über 100 Autorinnen und Autoren vieles zu sehen, zu hören und zu entdecken (s. unten).
Nicht nur altbekannte Autoren wie E.Y. Meyer, Franz Hohler oder Hansjörg Schneider sind in der schönen Barockstadt anzutreffen, sondern auch eine Reihe junger Schriftsteller. Zu diesen gehört der 1979 geborene Berner Christian de Simoni, der in Solothurn aus seinem Roman «Rückseitenwetter» liest.
Aus Gesprächsfetzen wird ein Roman
«Die eine spinnt und die andere landet in der Psychi. Dazwischen steht Chris Bissig, der in dieser Situation selber fast den Verstand verliert»: So umschreibt Christian de Simoni die komplizierte Dreiecksgeschichte von einem Mann und zwei Frauen in «Rückseitenwetter», die letzten Herbst erschien. Der Roman basiert auf einer Kurzgeschichte, für die der promovierte Literaturwissenschaftler 2008 den Berliner «Literaturpreis Prenzlauer Berg» gewann.
Am Anfang standen Gesprächsfetzen aus eigenen und fremden Konversationen, die Christian de Simoni festgehalten hatte, weil er sie verstehen wollte. Im Aufschreiben und Ergänzen zeigte sich, dass aus zunächst unlogischen Argumentationssträngen dann doch funktionierende Dialoge entstanden. Aus der Recherchearbeit an den Fragmenten wurde ein Text und aus der Liebe der darin vorkommenden Figuren ein Roman.
De Simoni arbeitet auch als Ghostwriter. Ein wichtiges Thema des jungen Autors ist das Verhältnis zwischen Sprache und Realität. Besonders für sein literarisches Schreiben sammelt er Texte aus dem Alltag, denen ein scheinbarer Widerspruch innewohnt.
Im Streit mit der Muse
«Beim Schreiben küsst die Muse mich nicht einfach so, sie ist eine ziemliche Zicke. Wir streiten uns oft über banalste Dinge», antwortet de Simoni auf die Frage nach der Inspiration, die das Motto der diesjährigen Literaturtage prägt.
Dass er an den 34. Literaturtagen aus seinem Debüt lesen kann, ist für de Simoni eine grosse Ehre: «Ich habe die Literaturtage bereits als Gymnasiast besucht. Damals war ich sehr beeindruckt und wünschte mir, auch einmal in Solothurn vor Publikum lesen zu dürfen.» Dieser lang ersehnte Wunsch geht nun am Freitag auf dem Klosterplatz um 14.30 Uhr und am Samstag um 10 Uhr im Landhaussaal für den jungen Autor in Erfüllung.
• Christian de Simoni: «Rückseitenwetter», Roman. 160 Seiten, ca. 26 Fr., Poetenladen, Berlin, 2011





