«Don’t Try» steht auf dem Grabstein des 1994 verstorbenen US-Autors Charles Bukowski. Das kann man laut Bukowski-Experten interpretieren als «versuch gar nicht erst, besser zu sein als ich» oder auch als «wenn du schreibst, versuche es nicht, sondern lass es fliessen». Die Ideen fliessen lassen, das haben auch die Initiantinnen und Intitianten des Büchertrams Buchowski getan, als sie eines Abends auf dem Gurten zu später Stunde von einem gemeinsamen literarischen Projekt träumten.
Die Theaterwissenschaftlerinnen Sarah Leonor Müller und Noémie Delfgou sowie der Lehrer Simon Hörler sinnierten über eine mobile Lesung und kamen schliesslich auf die Idee eines fahrenden Trams. In Anspielung auf den Kult-autor Bukowski lancieren sie nun während drei Tagen ihr Buchowski.
Beim Berner Tramverein konnten sie ein grünes Fahrzeug aus den Vierzigern ausleihen. Dieses wird nachmittags im Tramdepot Burgernziel als Buchladen und Café genutzt, abends rollt es durch die Stadt und nimmt Autorinnen und Autoren mit, um sie lesen zu lassen. «Der Reiz einer solchen Lesung liegt im Unerwarteten», führt Müller aus. Während der Fahrt werde nicht nur gelesen, sondern auch Musik gespielt, und man könne nie ganz sicher sein, wer als Nächstes ein- oder aussteige.
Trittbrettfahrer erwünscht
Die Trämler und Träumer, wie sich die Organisatoren selbst nennen, haben nichts gegen Trittbrettfahrer. Im Gegenteil: Das Bücherbergwerk Monbijou darf seine Buchbestände verkaufen, das Ausbildungszentrum Morillon betreibt das Café und Onos Lesesessel hält ein Summer Special im Büchertram ab.
Der literarische Fahrplan verspricht einige Leckerbissen: Die blinde Autorin Yvonn Scherrer liest aus «Nasbüechli – Eine Duftreise» und wird dabei von Res Mettler von «Sibill et les beaux» musikalisch begleitet.
Die Protagonisten vom «Textkiosk» (Patric Marino, Noëmi Lerch, Eva Seck) werden mit Schreibmaschinen «bewaffnet» direkt auf Publikumswünsche eingehen. «Das soll ruhig den Charakter einer Perfomance haben», führt Müller aus. Ruhiger wird es bei Lorenz Pauli werden. Der Berner Kinderbuch-Autor liest speziell für die jüngsten Gäste.
Im Summer Special von Onos Lesesessel darf man sich unter anderem auf die Autorin Marina Bolzli («Nachhernachher») freuen. Der Violinist Vincent Millioud, den häufige Ono-Besucher bestens kennen, erfüllt dabei das Tram mit jazzig-orientalischen Klängen. Unter Ausnahme der einstündigen Kinderlesung dauern alle Veranstaltungen zwei Stunden. Am Casinoplatz wird jeweils ein- und am Ende wieder ausgestiegen. Ganz in Bukowskis Sinne soll man sich hier von guten Texten regelrecht berauschen lassen.





