Info
Musigbistrot, Bern. Fr., 20.5., 21 Uhr
Choo Choo zeigt sich in einem neuen poppigen Soundkleid. «Wir haben unsere Kreativität dieses Mal voll ausgelebt», sagt Dan Jörg, Songwriter, Gitarrist und Sänger. Beim neuen Album «Cannes» stehen Stimmungen im Vordergrund, weniger das «Drauflosrocken». Das übergeordnete Thema ist das Spannungsfeld zwischen Melancholie und Glücksgefühl.
Choo Choos Debütalbum bestach 2007 durch überschäumende Energie und ungestüm nach vorne treibende Garage-Pop-Nummern. Heute hat das Berner Quartett die Garage definitiv verlassen.
Indie-Pop mit Ohrwurmqualität
Die neuen Indie-Pop-Songs würzt die Berner Band mit viel Gespür für Stimmungen und Melodien. Der erste Song «It’s a good Thing» ist auf der einen Seite ein mitreissender Pop-Ohrwurm mit einem Refrain, der kracht, aufmuntert und nach vorne drängt. Auf der anderen Seite sind Text und Melodie sehr melancholisch. Das Lied handelt von der Aussichtslosigkeit, die sich in einer Liebesbeziehung einschleichen kann, aber auch vom befreienden Gefühl, das sich einstellt, wenn man diese Aussichtslosigkeit erkennt. Funktioniert dieses Zusammenspiel? Dan Jörg antwortet: «Man kann sich traurig fühlen, aber gleichzeitig kann die Trauer einem auch Auftrieb geben, und man schöpft neue Energie.» Der Songwriter findet genau diese Balance zwischen Melancholie und Hoffnung spannend: «Wenn es uns als Band gelingt, diese Spannung zu erzeugen, dann weiss ich, dass wir einen guten Song haben.»
Berndeutsch zu singen war für Choo Choo nie ein Thema. Ihnen falle es leichter, Stimmungen in Englisch auszudrücken. «Englisch ist für mich eine Sprache die melodischer klingt. Die Worte fliessen einfach über die Akkorde», sagt Jörg, «in Mundart ist das schwieriger mit den vielen ‹sch’s› und ‹ch’s›.» Zudem konzentriere man sich bei berndeutschen Texten oft viel zu sehr auf den Inhalt und lasse sich so weniger auf die Stimmung ein. «Kommt dazu, dass ich kein tiefgründiger Texter bin», sagt Jörg, «unsere Songs handeln eigentlich immer von den gleichen Themen des alltäglichen Gefühlschaos.» Das neue Album sei sozusagen eine Indie-Pop-Therapie für dieses Gefühlschaos.
Schwedische Experimente
Produziert wurde das neue Album in Schweden von Kalle Gustafsson, einem bekannten Namen in der Indie-Szene. «Cannes» besticht durch feine Arrangements, die jedem Song den nötigen Raum für seine Stimmung auftun. Weiter hat die Band mit der Instrumentalisierung viel Neues ausprobiert. So hört man des öfteren akustische Gitarren, Streicher, Pianos oder Vibrafone. «Die Platte im Svenska Grammofon Studio in Göteborg zu machen, war für uns schon etwas ganz Besonderes. Da stehen so viele interessante Instrumente herum, die einfach zum Experimentieren einladen», erklärt Jörg und fügt an: «Ich glaube, wir haben dieses Mal wirklich alles ausprobiert, um das jeweilige Richtige für den Song zu finden.» Getauft wird die Scheibe im ISC. Dan Jörg freut sich auf den Live-Auftritt: «Das ist schliesslich der Grund, wieso wir überhaupt angefangen haben, Musik zu machen. Wir wollen raus und Spielen.»





