Mitten im Emmental, zwischen sanften Hügeln und saftigen Weiden, trifft sich Jahr für Jahr eine illustre Runde US-amerikanischer Jazzmusiker. Die meisten kommen aus der quirligen New Yorker Szene ins beschauliche Langnau. Dieses Jahr sind dies unter anderen der Bassist Dave Holland, der Gitarrist John Scofield und der Pianist Dave Kikoski. Und beim Abschlusskonzert der Mike Stern Band mit Dave Weckl und ihrem Fusion-Retro-Sound kommt gar etwas Nostalgie auf. Zu diesen «Big Names» muss man jedoch keine weiteren Worte verlieren, ausser vielleicht, dass Holland und Scofield je mit einer neuen Band anreisen.
Daneben hat das Team um den Jazz-Night-Impresario Walter «Wale» Schmo- cker aber auch einige Perlen im Programm versteckt, die nicht gleich ins Auge springen.
Unverwechselbar und vielseitig
Dazu zählt der Auftritt von Dave Douglas. Nicht dass man ihn als Geheimtipp bezeichnen könnte: Der Trompeter ist eine gestandene Grösse des Jazz und einer der Profiliertesten auf seinem Instrument. Über die Jahre hinweg hat er sich als ebenso vielseitig wie wandelbar gezeigt – und blieb dennoch stets unverwechselbar. Seien es die Aufnahmen mit John Zorns Masada aus den 90er- Jahren oder die Alben des eigenen Tiny Bell Trio mit den beiden kongenialen Mitmusikern Jim Black und Brad Shepik: Dave Douglas vereint in seinem Schaffen kompromisslosen Free Jazz à la Ornette Coleman und osteuropäische Klezmermusik. In Langnau ist er indes nicht mit einer seiner Bands aus New Yorker Musikerkollegen zu Gast, sondern begleitet das Lucerne Jazz Orchestra auf die Bühne, das quasi ennet dem Napf beheimatet ist.
Schweizer Big Band mit berühmtem Gast
Das Donnerstagabend-Konzert des Lucerne Jazz Orchestras mit Dave Douglas als Komponisten und Solisten beleuchtet eine weniger bekannte Seite des Trompeters: Auf Einladung des Arrangeurs und Komponisten Jim McNeely, der vor ein paar Jahren Artist-in-Residence der Big Band des Hessischen Rundfunks war, hatte Douglas einige Kompositionen für grosse Formationen geschrieben. Die fruchtbare Zusammenarbeit ist auf dem Album «A Single Sky» (2009) dokumentiert.
Mit dem Lucerne Jazz Orchestra nimmt sich nun eine Big Band des Materials an, die sich den zeitgenössischen Werken verschrieben hat. Insbesondere mit Kompositionsaufträgen fördert die jüngste professionelle Schweizer Big Band mit ihrem Leiter David Grottschreiber junge Komponisten. Diese können so ihre Ideen mit einem grossen Klangkörper verwirklichen: Bestes Beispiel ist das Programm «Berge versetzen» (2010) des Komponisten und Klarinettisten Claudio Puntin, in dem er sich mit Schweizer Volksmusik auseinandersetzt.
Im Konzert mit dem Lucerne Jazz Orchestra und Dave Douglas geht es indes um Douglas Musikwelt: Neben Kompositionen, die er eigens für das Big-Band-Format geschrieben hat, sind auch Arrangements zu hören, die ursprünglich für eine seiner kleineren Formationen gedacht waren.





