Züri West an Festivals
• 14.6.: B-Sides, Luzern
• 29.6.: Open Air St. Gallen
• 7.7.: Klosterhof, Muri AG
• 13.7.: Gurtenfestival, Bern
• 20.7.: Live at Sunset, Zürich
• 27.7.: Open Air Etziken SO
• 2.8.: Brienzersee Festival, Brienz
• 11.8.: Heitere Open Air, Zofingen
• 25.8.: Summerstage, Basel
• 7.9.: Open Air Greifensee
www.zueriwest.ch
Kuno Lauener, Sie sind mit Züri West in die Open-Air-Saison gestartet, wie wars?
Wir spielten in Aarberg unser erstes Open-Air-Konzert der Saison, und ich war etwas nervös. Ich bin nicht richtig zufrieden mit meiner Leistung.
Sie sind noch immer nervös vor dem Auftritt?
Ich sollte das im Griff haben, klar. Aber die Open Airs sind eben ganz etwas anders als Konzerte drinnen.
Was ist denn so anders?
Für die Open-Air-Saison musst du den dicken Filzstift hervornehmen, es hat wenig Platz für filigrane Striche. Auf der Bühne ist mehr Raum, der Abstand zum Publikum ist grösser – es ist eine ganz andere Sportart. Das kann total gut sein. Ich erinnere mich, vor einigen Jahren spielten wir am Morgen um 1 Uhr nach den Toten Hosen. Wir glaubten, keine Chance zu haben. Aber das Publikum war noch voll da. Der Alkohol hilft natürlich immer bei den Festivals, vielleicht spielten wir auch einfach gut – jedenfalls ging es ab wie d Schissi.
Aber es gibt also auch schwierigere Auftritte.
Bei anderen Konzerten sind die Leute bereits übersättigt. Je nachdem, wer vor oder nach uns spielt, haben wir nicht unser Publikum in den ersten Reihen, dann ist es schwieriger. Andererseits können wir so Leute erreichen, die nicht zu den Fans zählen und die später vielleicht in ein Clubkonzert kommen.
Sie spielen diesen Sommer nicht nur an grossen Festivals wie Gurten oder St. Gallen, sondern auch an kleinen wie beim B-Sides oberhalb Luzern. Weshalb?
Das B-Sides ist ein bewusst programmiertes, alternatives Festival. Für uns ist es eine Herausforderung, für eine Szene zu spielen, zu der wir früher mal gehörten. Heute sind wir für viele die etablierten Säcke. An einem B-Sides muss man sich erstmal wieder beweisen.
Und die grossen?
Die grossen Open Airs gleichen sich heute ja sehr. St. Gallen, Heitere, Gampel, Gurten: Dort stehen immer die gleiche Bühne, die gleichen Arbeiter, dieselben Werbezelte. Kleinere Open Airs wie das B-Sides sind eine willkommene Abwechslung. Zumal auch sie heute Musikanlagen auf einem hohen technischen Level haben.
Sie haben dieses Jahr schon einige Clubkonzerte gespielt. Wie haben die Songs vom neuen Album «Göteborg» funktioniert?
Wir spielen ja nicht alles von der neuen Platte. Sie ist eher sperrig und man muss die Songs geschickt im Programm platzieren. Ich glaube, sie kommen nicht schlecht an.
Der «Bund» schrieb, Sie hätten die Kunst des entspannten Musizierens zur Meisterschaft gebracht. Man könnte das auch verstehen als «den alten Säcken fehlt es an Spannung».
Es ist ein billiges Klischee, dass entspannte Musik etwas mit dem Alter zu tun hat. Wir haben es wohl zur Meisterschaft gebracht, so zu tun, als würden wir entspannt Musik machen. Die Produktionsphase unserer Alben ist nie entspannt, wir tun uns jedes Mal schwer, weil wir nicht immer gleich tönen wollen.
Das Alter spielt also keine Rolle?
Wenn Alter bedeutet, Erfahrungen gesammelt zu haben und Lust auf andere Dinge zu haben, dann schon. Beim Fussball ist der 34-jährige Routinier taktisch klüger und geht viele unnötige Wege nicht mehr. Bei der Musik gibt es das auch.
Vor einigen Tage zog die «Tanz dich frei»-Demo durch Bern. Wie haben Sie das wahrgenommen.
Das war ein Tag nach dem Aarberg-Konzert, da habe ich zu Hause die Wunden geleckt (lacht). Aber ich habe mitverfolgt, was sich abspielte.
Züri West war wichtiger Bestandteil der Jugendproteste von 1987. Kommt Nostalgie auf?
Wenn ich die Bilder in der Zeitung anschaue, kommen schon ein paar Erinnerungen hoch. Ich finde es spannend zu beobachten, aber ich kann die Bedeutung dieser Party nicht richtig einschätzen. Wie viele bleiben dran und wollen wirklich etwas verändern?
Viele Aktivisten von damals bemängeln, die Teilnehmer seien völlig unpolitisch und hätten bloss eine Party feiern wollen. Gab es nicht schon in den 80ern viele Mitläufer?
Doch, klar. Das Gute an dieser Art aufzubegehren ist doch, dass es sehr lustvoll ist und Spass macht. Mit Züri West hatten wir damals eine gewisse Relevanz, weil wir im Umfeld der Proteste Konzerte gaben. Ich habe auch einige Songs dazu geschrieben, weil mich die Sache bewegte. Aber letztlich hatten wir einfach sehr viel Fun.
Heute ist es ein Leichtes, über Facebook eine Tanzparty auf die Beine zu stellen.
Das war früher um einiges komplizierter. Man informierte über Zettel mit geheimen Codes und wusste nie, ob 300 oder 3000 Leute kommen würden. Heute zieht man über Social Media viel mehr Gaffer und Mitläufer an. Auch die SVP hat viele Mitläufer – soll doch auch die Gegenseite so funktionieren dürfen.





