Tour de Lorraine
An der wirtschaftskritischen Tour de Lorraine beteiligen sich 17 Veranstalter. Neben einem Infoabend im Kino der Reitschule über die Geschäfte der Rohstoffhändler finden Konzerte, Theater, Filmvorführungen, Ausstellungen, Discos und Performances statt.
Volles Programm:
www.tourdelorraine.ch
Im Buch «Die Ausserirdischen» des italienischen Journalisten Tommaso Pincio kann man nachlesen, wie sich das Phänomen der Ausserirdischen, das immerhin auch C. G. Jung beschäftigte, der jeweiligen Zeit anpasste. Mal spiegelte es die Furcht vor Relativitätstheorie und Atombombe, mal den Rausch der bemannten Raumfahrt. Schliesslich erblühte das Genre noch einmal in den Neurosen von «Akte X». Und jetzt das.
Mit einem gerüttelt Mass an Punk, psychedelischen Keyboardspritzern, elektronischen Verfremdungseffekten und hektisch hervorgestossenen Songtexten in dadaistischer Kunstsprache ist die Blues Horror Brigade unterwegs. «Seit etwa drei Menschenjahren», erklärt Sparklemaster One am Telefon, operiere die Formation im Raum Bern. Existieren tue sie hingegen schon «seit zwei Millionen Jahren». Dann bricht die Handyverbindung ab. Beim nächsten Versuch schimpft der Leadsänger über den unzureichenden Stand menschlicher Technologie. Prompt bricht die Verbindung wieder ab.
Souvenirs stehlen
So stand denn der Berner Filmemacher Michael Spahr Red und Antwort. Spahr sagt zwar, er habe die Band noch nie gesehen und hoffe, sie an der bevorstehenden Plattentaufe von «Live on Titan» zu sehen. Doch es lässt sich vermuten, dass er eine weit engere Beziehung zur Band hat, als er zugeben würde. Schliesslich sind die kurzen Dokumentarfilme, die er gedreht und ins Internet gestellt hat, dem Album als DVD beigelegt.
In den Streifen treten Opfer auf, die von der Blues Horror Brigade entführt und gefoltert wurden. Das widerspricht zwar der Botschaft von freier Liebe, welche die Band propagiert, kann Spahr aber nicht erstaunen: «In anderen Galaxien ist beispielsweise Privatbesitz längst abgeschafft. Aliens haben gelegentlich Mühe, sich mit den irdischen Gebräuchen vertraut zu machen. Wenn sie etwas stehlen, wollen sie oft nur ein Souvenir.»
Aliens ausschaffen
Klar ist für Spahr hingegen, dass die Aliens wegen der neuen Gesetze bald einmal aus der Schweiz ausgewiesen würden. Erst Recht, wenn Banken aus-serweltliche Währungen nicht akzeptierten und die Gäste deshalb auf dem Sozialamt landeten. An genaueren Studien über die Integrationsfähigkeit von Ausserirdischen mangelt es derzeit, für den Popbetrieb hingegen sind sie geradezu prädestiniert.
Die Entrücktheit weltlicher Stars ist mit jener von Wesen aus einer fremden Galaxie durchaus zu vergleichen. Die aktuellen Produktionstrends, bei denen im Studio die Stimme einer Lady Gaga ins unmenschliche verfremdet wird, deuten deutlich in diese Richtung. Klar, dass auch die Brigade ihren Space-Sound mit solchen Effekten ziert. Spahr hingegen verweist lieber auf Michael Jackson, «der diese Welt schon vor zwanzig Jahren verliess». Äusseres Zeichen dafür sei der Affe Bubbles gewesen – dem die Band übrigens eine Single widmete. Was sagt das nur über unsere Zeit aus?





