Beim Namen George Gruntz bekommen Jazzfans glänzende Augen. Der Basler gehört zu den herausragenden Exponenten der Schweizer Szene. Seine Karriere begann so richtig, als der Pianist, Komponist und Arrangeur 1958 in der Band des Newport Jazzfestivals spielte, wo er Kontakte zu allen wichtigen Vertretern des zeitgenössischen Jazz knüpfte.
Seither hat Gruntz, der nächstes Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, nicht aufgehört zu arbeiten und Grenzen zu überschreiten. So schrieb er unter anderem Jazzopern, Oratorien und Ballettmusik, verknüpfte Jazz mit Klassik, mit Folk und Worldmusic. Und natürlich tritt er mit seinem eigenen Orchester auf, der renommierten George Gruntz Concert Jazz Band.
Wobei – so selbstverständlich sind die Auftritte inzwischen nicht mehr. «Die Finanzierung war immer ein Kampf», sagt sein Sohn Felix Gruntz, der die aktuelle Tour betreut. «In den letzten Jahren ist es aber noch schwieriger geworden. Viele grosse Firmen legen ihre Sponsoring-Schwerpunkte heute nicht mehr auf die Unterstützung von Grossformationen. Wir sind froh, dass wir die Tour mit Hilfe der Suisa durchführen können.»
Die Besetzung des 16-köpfigen Orchesters ist wie gewohnt erstklassig (die Band besteht nur aus renommierten Solisten) – und stabil. «Alle Musiker kommen aus Enthusiasmus», freut sich Felix Gruntz. «Das ist ein harter Kern, der lukrative Deals sausen lässt, um mit der Band auftreten zu können.» Ausserdem hat Bandleader Gruntz für die Auftritte extra neue Stücke komponiert.
Abgrenzung zum Retortenpop
Ganz am Anfang seiner Karriere steht hingegen James Gruntz. 2005 veröffentlichte der in Bern geborene Basler sein erstes Album – und wurde prompt auf DRS3 gespielt. Andere Radiostationen zogen nach. Seither läuft es wie geschmiert. Dabei «standen wir an der Plattentaufe zum ersten Mal auf der Bühne», wie er sich erinnert.
Grund für den Erfolg sind die Songs. Gruntz hält sich ans klassische Popformat, obwohl er stilistisch offen ist und auch ein Duett mit Rapperin Steff la Cheffe eingesungen hat. «Postpop» nennt er seinen Stil, vor allem in Abgrenzung zum Retortenpop, der auf ein bestimmtes Zielpublikum hin gefertigt wird. «Ich bin mit Pop aufgewachsen, obwohl mich am Gymer deswegen alle ausgelacht haben», sagt er. «Es gibt unter diesen Bravo-Hits halt viele Sachen, die ganz schlimm sind.»
Geschmeidig trotz Ukulele
Vielleicht wegen seiner Konsequenz hat James Gruntz heute ein Händchen für eingängige Melodien. Seine bittersüssen Lieder bleiben einem nach dem ersten Hören im Ohr. Das zweite Album nahmen er und seine Band unplugged auf – und die Songs werden oft von den quäkenden Klängen der Ukulele geleitet. Doch in der unverbrauchten Spielfreude von Gruntz wirkt sogar dieses potenzielle Manko geschmeidig. Bleibt noch die Frage nach dem Namen. «Es wird oft geschrieben, ich sei sein Sohn. Ich weiss nicht, wie die Leute darauf kommen», sagt James Gruntz, «wir sind Grosscousins.» Einen Namenswechsel, übrigens, hätte er sich nur überlegt, «wenn ich ebenfalls Jazzpianist wäre. Aber wir haben musikalisch ja nichts gemeinsam.»





