Es ist die Geschichte eines Clowns, der seit seiner Geburt ununterbrochen an der Brust seiner Mutter hängt. Als sie stirbt, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er wird wahnsinnig, und ein Drama um Bedürftigkeit und Sehnsucht nimmt seinen Lauf.
«Mother’s Milk», an der vierten Ausgabe des Säbeli Bum zu sehen, ist eine Produktion des Cirque de Loin, der an den Rändern der Genres Musik, Tanz, Theater, Zirkus und Film Produktionen realisiert. «Zirzensisches Konzert» nennen die Macher ihre Mischform. Kopf der Gruppe ist der Zürcher Michael Finger, der als Schauspieler für seine Rolle im Teenager-Sehnsuchtsdrama «Utopia Blues» den Schweizer Filmpreis gewonnen hat. Er ist auch als Regisseur und Autor tätig. Neben ihm gehören zwei Musiker zur Truppe, die in Bern bestens bekannt sind: Mich Gerber und Luk Zimmermann (Lunik).
Kultur ist für alle da
Das Festival Säbeli Bum setzt sich zum Ziel, Behinderte in den Kulturbetrieb zu integrieren – und zwar nicht nur als Konsumenten. Ein hohes Ziel, «dem wir dieses Jahr so nahe kommen wie nie zuvor», wie Felicia Kreiselmaier vom Leitungsteam erklärt. «Behinderte und Nichtbehinderte haben auch in der Programmgestaltung zusammengearbeitet.»
Die Idee der Integration wird auch im Stück «Mother’s Milk» weitergeführt. Kinder und Jugendliche haben mit dem Cirque de Loin an einem Nachmittag kurze Szenen eingeübt und werden das Stück ergänzen. Viele von ihnen haben in den Sommerlagern von Insieme, der Organisation für geistig behinderte Kinder, Zirkuserfahrung gesammelt.
Die Musik dominiert den Rest des Programms: Das Traktorkestar, Patrick Bishop und die Hora’Band bringen viel Schwung ans Säbeli Bum.
Bei der Hora’Band steht das Zusammenspiel von Menschen mit und ohne Behinderung im Zentrum. Entstanden aus dem Theater Hora, geht die Band seit acht Jahren einer regen Konzerttätigkeit nach und bestreitet jährlich 20 bis 30 Auftritte.
Zurück zur Muttermilch. Wer den Cirque de Loin verpassen sollte, hat vom 5. bis zum 9. September die Gelegenheit, Versäumtes auf der Münsterplattform nachzuholen. Dann allerdings muss die Gruppe wieder ohne die zirkusbegeisterten Säbeli-Bum-Kinder auskommen.





