Die Jazzszene von Bern ist ein Kuchen, der es immer wieder gebacken kriegt, sich selbst vor dem Austrocknen zu bewahren. Seine Zutaten: Die erfolgreiche Jazzabteilung der Hochschule der Künste. Die Berner Plattenfirma Unit, die Karrieren von innovativen Jazzern wie Colin Vallon oder Andreas Schaerer lanciert hat. Und es liegt auch an den Veranstaltern, dass Jazz in Bern immer wieder überraschend schmeckt.
Werkstatt im Festivalgewand
Natürlich hat der Erfolg aber auch mit den Musikern zu tun, die das Heft selbst in die Hand nehmen. Einmal im Jahr organisieren Benedikt Reising, Andreas Schaerer und Marc Stucki die Berner Jazzwerkstatt. Während einer Woche kommen befreundete Musiker aus dem In- und Ausland zusammen, proben und spielen in neuen Formationen. Eine Konstante des Festivals ist das Ballbreaker Ensemble, die werkstatteigene Bigband mit 12 Musikern, die jedes Jahr auftritt.
Die Jubilarin – die Jazzwerkstatt feiert ihren Fünften – ist mehr als ein Festival, auch wenn es mit 17 Bands in 4 Tagen genau danach aussieht. An jedem Festivaltag gibt es eine öffentliche Probe, in denen erarbeitet wird, was am Konzertabend das Publikum begeistern soll.
Einige Höhepunkte in der Übersicht:
Mittwoch, 15.2.
Die Plattentaufe von Kamikaze macht den Auftakt (20 Uhr) – ein Trio, das halsbrecherisch zwischen Wohlklang und ohrenbetäubendem Lärm pendelt. Darauf folgt die musikalische Lesung Artmann_3 (21.15 Uhr): Jana Singe (Stimme), Julian Sartorius (Schlagzeug) und Martin Baumgartner (diverse -Instrumente) versehen H. C. Artmanns «Die Sonne war ein grünes Ei» mit Musik.
Donnerstag, 16.2.
Vera Kappeler und Schlagzeuger Peter Conradin Zumthor eröffnen am Donnerstag (20 Uhr). Darauf folgt das Berner Kaleidoscope String Quartet, das mit einheimischen Bläsern einer Rhythmusgruppe aus Übersee zusammenspannt: Morph in Music (Konzert: 21.15 Uhr, Probe 14 Uhr).
Samstag, 18.2.
Hildegard-lernt-fliegen-Sänger Andreas Schaerer und der niederländische Gitarrist Anton Goudsmit wussten sofort, dass die Liebe zum Wahnsinn in der Musik verbindet (20 Uhr). Es folgt das Ballbreaker Ensemble (21.15 Uhr, Probe 14 Uhr). Kg & Morricone schliessen mit ebenso unerhörter wie bruchunsicherer Electromusik (0 Uhr).
Freitag, 17.2.
Der Luzerner Tubist Marc Unternährer tritt mit seinem US-schweizerischen Quartett YesYesNoNo auf. (20 Uhr). Das Trio B. B. König (22.30 Uhr) verdankt seinen Namen nicht B.B. King, sondern Schlagzeuger Lukas König, der zusammen mit Benedikt Reising (Saxofon) und Benny Omerzell (Tasten) spielt. Zu später Stunde gibts was fürs experimentierfreudige Tanzbein: Zachov und Sicker Man (0 Uhr).
Sonntag, 19.2.
Der amerikanisch-steirische Posaunist und Komponist Philip Yaeger eröffnet mit seinem Bläsersextett den letzten Tag (19 Uhr). Darauf tritt der Freejazz-Schlagzeugheld Lucas Niggli mit einem Jazzwerkstatt-Kuchen-Sextett auf. Sans Claire mit Sängerin Simone Abplanalp bildet den Abschluss (21.30 Uhr).





