Der Nachbau des berühmten Weimarer Boisselot-Flügels von Franz Liszt war dem Fernsehsender 3sat einen ganzen Dokumentarfilm wert. Er liess erahnen, mit welchen Schwierigkeiten beim Nachbau alter Musikinstrumente zu kämpfen ist. Und nachgebaut werden sie, weil die Originalinstrumente entweder beschädigt sind oder weil man die raren Museums- oder Sammlerstücke nicht dem Konzertbetrieb aussetzen möchte. Auch wenn die Glaubenskriege um den richtigen Klang in der letzten Zeit abgeebbt sind und das Rad der «historisch informierten Aufführungspraxis» lässt sich kaum mehr zurückdrehen, die Diskussion geht weiter.
Das sieht auch Martin Skamletz so. Er ist Leiter des Forschungsschwerpunktes Interpretation an der Hochschule der Künste Bern (HKB) und mitverantwortlich für das Forschungsprojekt «Le Basson Savary». Nun ist ein Holzblasinstrument – Basson heisst Fagott auf Französisch – zwar weniger kompliziert als ein Flügel, dennoch stellen sich höchst anspruchsvolle Fragen. Die zentrale ist: Soll der Nachbau möglichst so aussehen wie das Original – oder soll er möglichst so klingen?
International und interdisziplinär
Dass und warum es schwierig ist, beide Ziele gleichzeitig zu erreichen, ist das Thema, das ein internationales und hochkarätiges Expertengremium beschäftigen wird. Um aber ein konkretes Beispiel der Probleme zu geben, sagt Skamletz: «Je seltener ein altes Instrument ist, desto schwieriger ist es zu vermessen und sein Klanggeheimnis zu entschlüsseln.»
Am Berner Symposium wird die Thematik interdisziplinär angegangen. Mit von der Partie sind Vertreter aus Wissenschaft, Interpretation und Instrumentenbau. Um sie alle während dreier Tage zu versammeln, investierte Skamletz rund ein Jahr in die Vorarbeiten. Dazu gehört auch ein Rahmenporgramm, welches das Symposium für «normal Sterbliche» zugänglich machen soll. Skamletz hofft, dass die Veranstaltenden und Gastreferenten nicht unter sich bleiben werden.
Da es das «Dilemma von Bewahren und Präsentieren» – so einer der Vortragstitel – nicht nur bei Musikinstrumenten gibt, lohnt sich ein Hineinhören allemal. Warum nicht beim Gesprächskonzert am Samstag um 14 Uhr? Der Instrumentenbauer Walter Bassetto, der HKB-Dozent und Solofagottist der Münchner Philharmoniker Lyndon Watts und der wissenschaftliche Projektleiter Sebastian Werr stellen dann das nachgebaute Savary-Fagott vor.
Die Forschungsarbeiten an der HKB werden weitergehen, genauso wie die Diskussion darüber, wie Form und Klang zu gewichten sind. Übrigens besitzt auch die HKB noch einen alten Flügel von Boisselot – wer weiss …




