«Ein gutes Piano-Rezital ist wie ein DJ-Set», gab Francesco Tristano der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» zu Protokoll. Der Luxemburger ist eine Ausnahmeerscheinung: Als Pianist ist er im Klassikbetrieb genauso geschätzt wie auf den Dancefloors als Techno-Musiker. Auch mit seiner Formation Aufgang agiert er zwischen Jazz, Electro und Klassik, und als Solist mag er die Kooperationen, etwa mit der Detroit-Techno-Legende Carl Craig.
Originalität bewies Tristano auch, als er seine hochgelobte CD «bachCage» einspielte. Nahtlos reiht er darauf eine Auswahl von Werken von Johann Sebastian Bach (1685–1750) und dem Avantgarde-Komponisten John Cage (1912–1992) aneinander. Diesen «Mix» führte Tristano so virtuos aus, dass «der Alte moderner klingt und der Neutöner weniger rau», wie es ein Kritiker auf den Punkt brachte.
«Es ist uns hochwillkommen, dass Tristano ein Grenzgänger ist und eine neue Generation vertritt, die sich auf verschiedenen Bühnen bewegt», sagt Peter Fischer. Der Direktor des Zentrum Paul Klee freut sich sichtlich: Mit Tristano konnte er einen Star verpflichten, der exakt zum Mix seines spartenübergreifenden «Cage@Klee»-Festivals passt.
Die Sparten verbinden
Darin steht auf der einen Seite Paul Klee: offen, neugierig, wenn auch in Sachen Musik eher an Bach und Beethoven orientiert. Auf der anderen Seite John Cage, der 1939 eine Ausstellung mit Klee-Bildern in den USA organisierte. Fischer macht zudem auf eine Parallele aufmerksam: «Cage war auch als bildender Künstler tätig. In einer Projektion stellen wir unkommentiert Bilder der beiden gegenüber.» Man werde sehen, dass die Arbeiten auf einer verwandten künstlerischen Grundhaltung beruhten, obwohl sie voneinander unabhängig seien.
Mit «Cage@Klee» verdeutlicht Fischer, was er meinte, als er bei seinem Stellenantritt letzten Herbst sagte, er wolle die verschiedenen Sparten seines Hauses bei einem Generalthema stärker verbunden sehen. Nun vereint er ein wissenschaftliches Symposium, Jazz, Klassik, bildende Kunst und Tanz zum Happening für Kenner und Laien gleichermassen – sogar für Fussballfans. Die Abende sind wegen des EM-Finals jeweils «spielfrei».
Cage zum Selberspielen
Wichtig ist Fischer zudem, dass er den grössten Teil des Programms mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region Bern bestreitet. «Bern verkauft sich kulturell unter Wert», findet er und verweist darauf, dass der 100. Geburtstag von Cage in der Schweiz sonst relativ bescheiden begangen wird – während er etwa in Deutschland und natürlich den USA hohe Wellen werfe.
Das Familienkonzert schliesslich gehört mit zum «Verschlaufen der Disziplinen», wie es Fischer nennt. Zusammen mit dem Publikum wird die Musikerin Gertrud Schneider in einer Stunde Cages «Living Room Music» einstudieren und aufführen. Während des Mitspielens am Stück mit Tönen von Alltagsgegenständen verdeutlicht sich die Arbeitsweise des Ausnahmekomponisten quasi von selbst.





