An einer Pressekonferenz 1965 in San Francisco wurde Bob Dylan gefragt, ob er sich als Sänger oder als Poet wahrnehme. Mit etwas gesenktem Haupt und einem verschmitzten Lächeln antwortete der damals 24-jährige Musiker: «Ich sehe mich selber als einen ‹Song und Dance Man›.» Schallendes Gelächter bricht im Saal aus, denn die Bezeichnung heisst so viel wie «ein etwas einfach gestrickter Unterhalter». Mit Dylans Kunst hat dies wenig zu tun.
«Song & Dance Men»
Das Zitat stand Pate, als die Journalisten Benedikt Sartorius und Sarah Stähli 2007 ihre Musikfilm-Reihe eröffneten. Als ersten Film zeigten sie in der Cinématte «No Direction Home: Bob Dylan» (2005). Im Dokumentarfilm von Martin Scorsese kommt der erwähnte Interviewausschnitt auch vor. «Der Titel ‹Song & Dance Men› stand von Anfang an fest. Es war ein Glück, dass wir ‹No Direction Home› als unseren ersten Film zeigen konnten», erklärt der Musikjournalist und «Bund»-Online-Redaktor Benedikt Sartorius. Mit dem Erstling füllten die beiden nämlich auf Anhieb den Saal des kleinen Kinos bis auf den letzten Platz.
Filmische und musikalische Qualitäten
Mittlerweile hat das Duo Sartorius-Stähli über vierzig Filme auf die Grossleinwand gebracht. Beide nehmen das Thema Musik auf ihre eigene Art und Weise auf. Anfangs legten sie den Fokus eher auf reine Musikfilme, worunter Sartorius vor allem dokumentarische Porträts einer Band oder eines Musikers versteht. «Zwar haben wir von Anfang an verschiedenste Formen des Genres gezeigt, mit der Zeit kamen aber immer mehr spannende Spielfilme dazu.» So finden in der Reihe klassische Konzertfilme ebenso Platz wie Dokumentarfilme über das Plattensterben («I Need that Record», 2008), zu Copyright-Fragen («RIP: A Remix Manifesto», 2009). In «Submarine» (2010) hingegen dienen die Lieder von Alex Turner, Frontmann und Gitarrist der Arctic Monkeys, als erzählerische Elemente. Die Filme zum Jubiläum, «Be Kind Rewind» (2008) und «Where the Wild Things Are» (2009), haben inhaltlich nicht direkt mit Musik zu tun. Ihre Macher, Michel Gondry und Spike Jonze, gaben aber beide ihre Regiedebüts mit Musikvideos.
Ein Liebhaberprojekt
«Wir wollen vor allem Filme zeigen, die uns selber interessieren und die sonst nicht in den Kinos zu sehen sind», sagt Benedikt Sartorius über die Auswahl. Für die Betreiber des Kinos in der Cinématte ist das Gastprojekt «Song & Dance Men» eine willkommene Ergänzung zum regulären Programm. «Musik und Film ist eine Verbindung, zu der wir eine grosse Affinität haben», erklärt George Steinmann. Der Co-Leiter der Cinématte verrät, dass sein Mit-Leiter Barny Schürch selber auch als DJ auftritt und sich in der Musikwelt gut auskennt. Erfreut ist Steinmann zudem, dass die Filmjournalistin Sarah Stähli seit einiger Zeit in der Programmgruppe der Cinématte mitarbeitet.
Stähli und Sartorius sind in ihrer Programmation aber unabhängig. Aufmerksam auf ihre Perlen werden sie vor allem durch Musikzeitschriften oder das Internet. Auch eine Rolle spiele das Internationale Dokumentarfilmfestival Kopenhagen, an dem Filme um und über Musik immer stark vertreten sind.





