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Kino in der Reitschule, Bern.
Fr. 27.1. und Sa., 28.1., 21 Uhr und Fr. 3.2. und Sa., 4.2., 21Uhr
In Anwesenheit der Regisseurin
Früher wollte Rushit Hajerzi Fussballer werden. Als er aber merkte, dass er das niemals schaffen würde, gründete er die Rap-Gruppe «BlockJunge». Denn der Teenager aus Bern-Betlehem will unbedingt etwas aus seinem Leben machen – und aus dem seiner Freunde. «Ich möchte nicht, dass wir wie alle anderen normal arbeiten und vierzig Jahre lang das Gleiche machen, das Leben wegwerfen», sagt er. Darum rappt der 15-jährige Kosovo-Schweizer in jeder freien Minute. Um sich die Zeit zu vertreiben, um Gefühle rauszulassen und vor allem, um gehört zu werden. Letzteres ist ihm und seinen Freunden nun definitiv gelungen. Sie gehören zu den Protagonisten des Dokumentarfilms «Moi c’est moi», der seit Kurzem im Kino läuft.
Feinfühliges Herantasten
Der Ausgangspunkt des Films war das Hip-Hop-Musical «Antigone». Die Proben dazu begannen im Frühjahr 2008 auf Initiative von Christoph Hebing von der Jungen Bühne Bern. Als Schauspielerinnen und Schauspieler fungierten Jugendliche aus Bümpliz und Betlehem. Über ein halbes Jahr lang kamen sie regelmässig zusammen und erarbeiteten eine moderne Fassung der griechischen Tragödie. Die Berner Regisseurin Gabriele Schärer begleitete sie dabei mit der Kamera. So stehen nun nach Bruno Molls «Pizza Bethlehem» (2010) wiederum Jugendliche aus Berns Westen im Zentrum eines Dokumentarfilms. Sie sind zwischen 14- und 22-jährig, besuchen entweder noch die Schule, stecken mitten in der Ausbildung oder sind arbeitslos. Die meisten sind Secondos.
Der Film macht schnell klar, dass es der Regisseurin beim Drehen weniger um das Theaterprojekt ging, als vielmehr um die Jugendlichen. Und das ist gut so. Denn durch ihr feinfühliges Herantasten erfahren wir allerhand über die Gefühlswelt der Heranwachsenden. So führt sie uns etwa in die Stube von Rushit, wo die rappenden Jungs erstaunlich offen in die Kamera plaudern. Sie erzählen von Schlägereien im Quartier, von der langwierigen Lehrstellensuche, aber auch, dass sie sich insgeheim eine feste Freundin wünschen und später eine Familie gründen möchten – erfrischend und authentisch.
Bekannt werden
Dann ist da auch noch Natalia. Schärer hat sie in ihrer Mansarde in Bern-Bethlehem besucht. Lauter religiöse Gegenstände stehen dort herum. «Das schützt mich vor dem Teufel», sagt die 16-jährige. Ganz allein flüchtete sie von Kirgisien in die Schweiz. Hier fühlt sie sich wohl. «Meine Familie vermisse ich nicht. Für mich ist Freundschaft wichtiger als Familie», sagt sie. Doch die Art zu sprechen und ihr Gesichtsausdruck verraten: Die junge Frau hat viel durchgemacht. Aber darüber spricht sie im Film nicht. Und Schärer hakte nicht nach. Das ist für den Zuschauer nachvollziehbar. Die Interviews mit der Kirgisin machen auch so schon betroffen genug.
Natalia wie die Rapper von «BlockJunge» erhofften sich von ihrer Teilnahme am Musical vor allem eins: bekannt zu werden, auch ausserhalb von Bern-West. Die Proben dazu erwiesen sich jedoch als Härtetest. Zum einen ging ein Teil ihrer Freizeit dafür drauf, zum anderen waren sie immer wieder mit Kritik und Enttäuschungen konfrontiert. Und sie mussten lernen, an sich selbst zu glauben. Wie wichtig das ist, macht der Film immer wieder deutlich. Und er entlässt den Zuschauer mit der Hoffnung, dass die Jugendlichen ihr Glück schon irgendwie finden werden. Wo sie danach suchen müssen, bleibt ungewiss. Sicher ist, dass sich die Jugendlichen in ihrem «Ghetto», wie sie ihr Zuhause nennen, eigentlich ganz wohl fühlen und gar nicht unbedingt von dort wegwollen.





