«So ein Arschloch ist verantwortlich für die Produktion? Leck mich doch am Arsch, Mensch. Wir drehen einen Film!» Solche Verbalattacken waren courant normal bei Dreharbeiten mit dem Schauspieler Klaus Kinski. Seine Beleidigungen und Wutausbrüche gegenüber allem und jedem sind legendär. Über die Gründe wurde viel spekuliert. War der 1926 als Klaus Günter Karl Naksynki geborene und 1991 in Kalifornien verstorbene Berserker psychisch krank? Wie viel von seinen Rollen – er spielte meist Psychopathen und Schurken – steckte in ihm selbst?
Bekannt geworden war der Schauspieler durch Rollen in Edgar-Wallace-Filmen und Italowestern. Weltruhm erlangte er durch seine jahrelange Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Werner Herzog. Der besetzte ihn in Filmen wie «Nosferatu – Phantom der Nacht», «Aguirre, der Zorn Gottes» oder «Fitzcarraldo». Das Kino Kunstmuseum zeigt unter dem Titel «Kinski und Kinski» eine ganze Reihe von Filmperlen mit Klaus sowie seiner ebenfalls weltberühmten Tochter Nastassja Kinski. Die 1961 in Berlin geborene Schauspielerin hatte ihre grössten Erfolge in den späten 70er- und während der 80er-Jahre. Sie drehte mit Grössen wie Roman Polanski («Tess»), Paul Schrader («Cat People») oder Wim Wenders («Paris, Texas»).
Die Schöne und das Biest
Doch was hat die zwar oft fotografierte, aber immer auch etwas scheu wirkende Schönheit mit ihrem Vater, dem tobenden Biest, gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Der Vater hatte seine Sporen im Theater abverdient, dem stets seine wahre Leidenschaft galt. Die Tochter hingegen war vor ihrem Durchbruch in Hollywood als Tatortmädchen («Reifezeugnis», 1976) und aufgrund von Fotos in Mode- und Männermagazinen bekannt geworden. Heute lebt die Schauspielerin, um die es nach einigen filmischen Flops ruhig geworden ist, zurückgezogen in Los Angeles.
Als Kind hatte Nastassja Kinski zeitweise mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Ruth Brigitte Tocki, in Kommunen gelebt. Später betonte sie stets die Wichtigkeit ihres eigenen intakten Familienlebens. Sie hatte sich offensichtlich eine Idylle geschaffen, die sie als Kind nie hatte. Vater Klaus Kinski zementierte in seiner Autobiografie «Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund» (1975) sein Image als notorischer Fremdgeher und Sexprotz, der sich mit Autoritäten jeglicher Art anlegte. Der geniale Egomane war ein Klischee dessen, was sich Kleinbürger als Künstlernatur vorstellen, während die Tochter ein Leben lang nach Normalität lechzte.
Nichtsdestotrotz haben die beiden mehr als den vollen Erdbeermund gemeinsam: Vater wie Tochter haben eine enorme Bildschirmpräsenz und einen Hang zu grenzüberschreitendem Spiel. Klaus Kinski als in den Wahnsinn abgedrifteter Soldat in «Woyzeck» ist ebenso fesselnd wie Nastassja Kinski, die als unschuldige Kindfrau in «Tess» zur Mörderin mutiert. Höchste Zeit, diese Filme wiederzuentdecken.





