Vermeiden, Wiederverwerten, Beseitigen, das ist der adäquate Umgang mit Abfall. Hier setzt das Theaterstück «Güsel» an. Eine marktfrische Banane beobachtet, wie aus einem überdimensionalen Abfallsack allerlei weggeworfene Dinge heraussteigen: ein zerdrückter Teebeutel, ein durchgekauter Kaugummi, eine gebrauchte Zahnbürste und, allen vorab, der Gestank. Es ist klar, dass sich die Banane zuerst einmal vor dem Müllsack ekelt. Bald aber stellt sie fest, dass der Müll gar keinen Mist redet und eigentlich sehr interessant ist.
«Güsel» ist das erste Kinderstück des Theaters Marie. Die freie Theatergruppe ist seit 1983 in der Schweiz und im Ausland unterwegs und macht auch vor schwierigen Themen nicht halt. «Güsel» soll Kinder ab vier Jahren und ihre erwachsenen Begleiter auf spielerische und humorvolle Weise für das Thema Abfall sensibilisieren. «Unser Ziel ist es, den Zuschauer mit dem Wert von Weggeworfenem zu konfrontieren. Die Gegenstände unterhalten sich immer wieder über ihr zukünftiges Leben auf der Mülldeponie und stellen somit Fragen nach Identität und Vergänglichkeit», ergänzt Co-Regisseurin Frederike Dengler das Konzept des Stücks.
Jedem «Güselbewohner» sein Gedicht
Ausgangslage für «Güsel» bildeten fünf schweizerdeutsche Gedichte von fünf Autorinnen und Autoren. Der Berner Lyriker Raphael Urweider hat die dabei entstandenen Geschichten bearbeitet und so die textliche Grundlage für «Güsel» geschaffen.
Auf der Bühne werden die lebendig gewordenen Gegenstände von Francesca Tappa, der Initiatorin des Stücks, und von Michael Schwyter schauspielerisch und tänzerisch umgesetzt. Die passende musikalische Interpretation liefert Musiker Andi Peter – als Banane verkleidet.
Das Theater Marie will mit der Inszenierung von «Güsel» dem jungen Publikum gerecht werden. Dazu gehört die Entscheidung, mit Versen zu arbeiten: Die gereimte Sprache spricht die Musikalität der Kinder an. Es störe sie gleich viel weniger, wenn sie einmal etwas nicht ganz verstünden, sagt Dengler. «Güsel» ist kein interaktives Stück im eigentlichen Sinne, doch die Schauspieler lassen sich auf die Reaktionen der Zuschauer ein.
Nach der 50-minütigen Aufführung gibt es zudem die Möglichkeit, einen Workshop zu besuchen. «Die Kinder entdecken gemeinsam mit den Schauspielern und dem Musiker ihren eigenen Umgang mit den Güselbewohnern», erklärt Dengler. Denn Kinder, so sind die Theatermacher überzeugt, verarbeiten ein Theaterstück nicht, indem sie darüber reden, sondern durch Nachahmung des Erlebten.





