Hermann Hesse – Ich habe ein Loch im Flügel und muss darum auf der Erde gehen
Sein Leben in Bern von 1912-1919. Ein mes:arts theater-Spaziergang mit Musik. Bei jedem Wetter. Anmeldung erforderlich: Tel. 031 839 64 09.
Veranstaltungsort
Treffpunkt: Mosesbrunnen
Münsterplatz
3011 Bern
Ein Mann in einem weissen Anzug und mit einem Strohhut begrüsst das beim Mosesbrunnen vor dem Münster versammelte Publikum. «Wollen Sie auf den Spuren Hermann Hesses wandeln?», stellt er die rhetorische Frage. Schliesslich verspricht das Theater mes:arts einmal mehr anschaulichen Literatur- und Geschichtsunterricht.
Der Dandy unterm Hut stellt sich schliesslich als Mitarbeiter des Hesse-Literaturarchivs Bern vor und zaubert aus Schachteln Fotos und Erinnerungsstücke, die ihn laufend zum Erzählen von Anekdoten anregen. So erfährt man etwa, dass Hesse eine Steinsammlung hatte, liebend gerne an klassische Konzerte im Berner Münster ging und auch schon mal nackt am Walensee wanderte.
Matthias Zurbrügg führt uns vom Münster zum Rathaus und schliesslich zur Kirche St. Peter und Paul. Unterwegs schlüpft er in mehrere Rollen und macht so Geschichte lebendig. Er verrät etwa Geheimnisse aus Hesses bedrückender Kindheit, indem er dessen imaginären Freund alias «Der kleine Mann» verkörpert. Oder er spielt einen Zeitzeugen, der sich an die Kriegsverdrossenheit des Dichters erinnert.
Hadern mit Gott
Glücklich war der Dichter während seiner Zeit in Bern – von 1912 bis 1919 – kaum. Depressionen, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die Trennung von seiner Frau, Schreibblockaden – das alles setzte dem Autor von Kultromanen wie «Der Steppenwolf» oder «Siddhartha» mächtig zu.
Mit runder Brille ausgestattet, schlüpft Zurbrügg am Ende des Rundgangs in die Rolle des Autors selbst. Der Sohn von Missionaren ist erschöpft und hadert mit Gott und dem Tod seines Vaters. Hesse möchte frei sein, ja gar fliegen können. Doch er stöhnt zuletzt: «Ich habe ein Loch im Flügel und muss darum auf der Erde gehen.» Kunst muss leiden – für Hesse war das wohl mehr als ein romantisches Klischee.





