Triumph der Liebe
Vidmar:1, Liebefeld.
Mi., 9.5.2012, 19.30 Uhr
www.stadttheaterbern.ch
Der Name Marivaux ist den meisten zwar weniger geläufig, doch die Stücke des französischen Autors (1688–1763) gehören zu den Klassikern wie jene von Shakespeare oder Molière. Das heisst zwangsläufig: Sie haben zeitlose Qualitäten. Regisseur Matthias Kaschig, den das Stadttheater Bern mit der Umsetzung von «Triumph der Liebe» beauftragt hat, sucht denn auch nicht krampfhaft die Anbindung ans Heute. Vielmehr stützt er sich auf die abstrakte «Versuchsanordnung», die dem Stück zugrunde liegt.
Auf gerechter Mission
Die sieht wie folgt aus: Wegen eines Machtkampfs ist die junge Fürstin Léonide unrechtmässig auf den Thron gekommen. Agis hingegen, der Spross der Gegenpartei, wurde, abgeschottet von der Aussenwelt, im Garten eines Philosophen und dessen Schwester aufgezogen. Unter dem Namen Phocion und als Mann verkleidet, dringt Léonide in diesen Garten ein. Sie will die Liebe von Agis gewinnen und mittels Heirat den Konflikt zwischen ihren Familien beilegen. Überzeugt davon, gerecht zu handeln, verdreht sie unbarmherzig allen den Kopf: dem Philosophen, der mit der Liebe abgeschlossen hat, aber auch seiner Schwester und Agis, welche die Liebe noch nicht kennengelernt haben.
«Das muss immer leicht bleiben»
«Je bösartiger Léonide in ihrer Upperclass-Jungmädchen-Arroganz unterwegs ist», sagt Kaschig, «desto spannender wird es.» Ein seltsamer Kommentar zu einer Komödie, erst recht wenn Kaschig betont, ihm komme es auf die Zerstörung der Ordnung durch die Liebe an. Mit ihren strategischen Avancen nach allen Seiten bringt Léonide die Enthaltsamkeit im Garten zum Einsturz. Ein Vorgang, der sich in den Pflanzen des Bühnenbilds spiegelt, die mit sexuellem Unterton wie unkontrollierbare Schwellkörper metastasieren. «Eine inhaltliche Schlagzeile ist für mich: Ich liebe und ich habe Angst», bringt Kaschig die paradoxe Wirkung der Emotion auf den Punkt.
Das ist schwere Kost für eine Komödie. Kaschig sagt denn auch, sie ertrage keine Derbheit im Spiel: «Das muss immer leicht bleiben.» Komisches Potenzial hat es trotzdem genug. Etwa wenn sich die Figuren von ihrer Eitelkeit verführen lassen oder wenn der naive Agis den Unterschied zwischen Liebe und Freundschaft nicht kennt. Und dann ist da noch der Sprachwitz von Marivaux. In Bern kann ihn Kaschig erstmals in einer neuen Übersetzung von Almuth Voss präsentieren.





