Livia Anne Richard, wie geht es Ihnen kurz vor der Premiere von «Holzers Peepshow» auf dem Gurten?
Wir sind sehr gut drin. Trotz des mässigen Wetters hatten wir in der Probephase nur drei bis vier Stunden Regenunterbruch. Wir konnten in den letzten Tagen noch den ganz feinen Pinsel hervornehmen und an kleinsten Details arbeiten. Das sind schon fast luxuriöse Umstände.
Nach klingenden Namen wie Dällenbach, Steinbeck und Einstein zeigen Sie ein Stück von Markus Köbeli. Weshalb?
Ich mache bei der Wahl eines Stücks keine marketingtechnischen Überlegungen. Die Wahl kommt aus dem Herzen. «Holzers Peepshow» ist seit Jahren eine meiner liebsten Komödien. Köbeli wirft einen eigentümlichen, intelligenten und liebevollen Blick auf die Menschen.
Worum geht es denn in seinem Stück?
Eine Bauernfamilie muss ihre letzte Kuh verkaufen und verdingt sich danach in einem TV-Reality-Format. «Holzers Peepshow» ist eine Geschichte mit einer tragischen Ausgangslage, aber viel Situationskomik. Köbeli schrieb das Stück 1989 prophetisch: Heute machen wir unser Leben andauernd öffentlich, 1989 gab es noch nicht einmal das Internet.
Das Stück war in Bern auch schon zu sehen. Warum sollte man es auf dem Gurten wieder schauen?
Es ist die Uraufführung meiner Freilichtversion mit vielen neuen Elementen und 24 statt 5 Rollen. Es geht nicht eigentlich um die Bauern, es geht um uns alle: Wie präsentieren wir uns, wie sprechen wir über uns?
Markus Maria Enggist spielt eine der Hauptrollen, das war zu erwarten. Wie besetzten Sie die übrigen Rollen?
Hanny Gerber ist zum ersten Mal beim Theater Gurten dabei. Sie ist eine der wenigen Berner Komödiantinnen. Die meisten Schauspieler haben aber bereits in früheren Gurten-Produktionen gespielt. Und Markus Maria Enggist ist mein Lieblingsschauspieler. Der kann einfach alles. Diesmal kann er sein komödiantisches Talent ausspielen.
Sie machen auf dem Gurten seit zehn Jahren Theater. Wird das schon bald Routine?
Ich habe Routine in dem Sinn, dass ich weiss, was funktioniert und was nicht. Ansonsten ist Theatermachen immer wieder neu. Eigentlich hasse ich Jubiläen und Konsolidierung. Wahrscheinlich deshalb würde ich es nirgendwo sonst als im Theater so lange aushalten.





