Vera Bauer: Hermann Hesse
«Ich war ein Suchender und bin es noch». Zum 50. Todesjahr stellt die Cellistin Vera Bauer die Persönlichkeit Hermann Hesses ins Zentrum ihres literarisch-musikalischen Bühnenprogramms.
Veranstaltungsort
La Cappella
Allmendstr. 24
3014 Bern
Tel 031 332 80 22
Fax 031 332 80 51
www.la-cappella.ch
Ihr neues Bühnenstück «Ich war ein Suchender und bin es noch» handelt von Hermann Hesse. Weshalb?
Ich habe das 50. Todesjahr von Hesse zum Anlass genommen, ihm ein Programm zu widmen. Mich hat dabei vor allem die Persönlichkeit von Hermann Hesse interessiert – und seine Selbstreflexion. Dieses Selbstporträt ergänze ich durch Briefe und Gedichte und einen autobiografisch inspirierten Romanausschnitt. Der Violinist David Goldzycher begleitet mich.
Muss man Hesse kennen, um Ihr Programm geniessen zu können?
Nein, es ist absolut voraussetzungslos. Das Schöne bei Hesse ist, dass er in einer ironischen Sprache über sich selbst schrieb. Und er hat viel geschrieben: Mehr als 35 000 Briefe sind von ihm erhalten.
Spreche ich Freunde auf Hesse an, rümpfen sie die Nase. Hesse riecht nach Pflichtstoff im Gymnasium. Was raten Sie?
Es lohnt sich, Hesse über seine Briefe wiederzuentdecken. Da erkennt man den Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts, der sich von niemandem hat vereinnahmen lassen und absolut unbestechlich war. Der sich nie gescheut hat, persönlich Stellung zu beziehen, der vor und während des Zweiten Weltkriegs vielen Verfolgten Hilfe geleistet hat. Wer Hesse mit ‹weltfremder Innerlichkeit› verbindet, kann hier ganz neue, spannende Aspekte entdecken.
Hatten Sie Kontakt zu Verwandten von Hermann Hesse?
Vor drei Wochen konnte ich die Enkelin Christina Widmer-Hesse kennenlernen, und ich freue mich sehr, dass sie bei der Cappella-Premiere dabei sein wird.
Hesse wohnte vorübergehend auch in Bern. Gehen Sie darauf ein?
Die Berner Jahre zwischen 1912 und 1919 waren entscheidende Jahre, voller Krisen wegen des Weltkriegs und der Auflösung von Ehe und Familie. Diese Phase bildet in meinem Programm einen eindringlichen Wendepunkt, auch wenn Hesse den Wohnort Bern nicht mit Namen nennt.
Sie porträtieren in Ihren Programmen immer wieder Künstlerfiguren. Warum eigentlich?
Wenn ich auf Autoren treffe wie Hilde Domin oder auf Fundstücke wie die Liebesbriefe von Rilke, finde ich es sehr spannend, mich mit ihren Biografien zu beschäftigen. Auch die Zuhörerinnen und Zuhörer können so den Literaten näherkommen und entdecken vielleicht Erfahrungen, die das eigene Leben bereichern.
Interview: Michael Feller





