Drei Superhelden in schillernden Roben und transparenten Plateauschuhen befinden sich auf einer gelben Decke mitten im Raum. Die Melodie «La Bella Malinconia» aus Fellinis Film «La Dolce Vita» plätschert im Hintergrund vor sich hin. Langsam löst sich Batman aus der Gruppe und schreitet mit erhobenem Haupt lächelnd in den Raum. Während er sich selbstversunken der eigenen Sinnlichkeit hingibt, räkelt sich Superman wohlig am Boden und Horny Brille versinkt im Selbstmitleid. Auf seinen Ausspruch «Meine Begabung tut mir weh, sie ist kaputt» hin wendet sich sein Gegenüber mit beruhigenden Worten an ihn, und Batman fordert ihn auf, mit ihm zu tanzen.
Wechselbad der Gefühle im Crossover-Stil
Um dieses scheinbar zeit- und raumlose Schweben an der Feier nach der Feier geht es in «Afterparty» von Pink Mama Theatre. Die drei Superhelden stehen für die Partygänger, die sich in den frühen Morgenstunden entweder in einer Art Dämmerzustand befinden oder total überdreht sind. Wenn dann das Nervenmäntelchen etwas schief sitzt, können aus dem Gefühl von allumfassender Liebe im Nu arge Zweifel an sich selber und der Welt entstehen.
Slawek Bendrat, Dominik Krawiecki und Simon Reimold, die drei Darsteller und Gründer von Pink Mama Theatre, versuchen, diese Emotionen in einer Mischung aus Sprechtheater, Tanz und Gesang sowie Performance auszudrücken. Die verschiedenen Teile des Stückes stehen dabei nicht in einem linearen Zusammenhang. Sie sind eher wie unterschiedlich gefärbte Stimmungsbilder zu verstehen, die kontinuierlich ineinander übergehen und zu immer neuen Figurenkonstellationen führen.
Die Wiederholung des ewig Gleichen
Das chamäleonartige Verhalten der Protagonisten verleiht dem Stück sowohl eine witzige als auch eine tragische Note. Gerade diese Zwiespälte gefallen der Truppe Pink Mama Theatre: «Es geht um Genusssucht, Selbstbetrug und um die Wiederholung des ewig Gleichen», meint Simon Reimold, der im Stück Horny Brille spielt. Für «Afterparty» haben sich Pink Mama Theatre thematisch von Fellinis «La Dolce Vita» inspirieren lassen, in dem es um das rauschhafte Leben der feinen Römer Gesellschaft geht. Auch Ionescos Einakter «Die Stühle», ein Stück des Absurden Theaters, hat eine Rolle gespielt. Hier geht es vor allem um die verzerrte und idealisierte Wahrnehmung der Vergangenheit.
Der genreübergreifende Stil der Truppe hat sich aus der Experimentierlust und den künstlerischen Hintergründen der drei Mitglieder ergeben: Der Pole Slawek Bendrat arbeitet als Tänzer, sein Landsmann Dominik Krawiecki ist Regisseur und Schauspieler. Der Dritte im Bunde, der Deutsche Simon Reimold, war ursprünglich Musiker und liess sich später auch noch zum Schauspieler ausbilden. Kennengelernt haben sich die drei am Luzerner Theater, seit Längerem arbeiten sie an gemeinsamen Projekten. Die Truppe Pink Mama Theatre wurde vor noch nicht einmal einem Jahr in Bern gegründet. «Afterparty» ist nach «Escort» ihr zweites Stück. Für diesen Herbst ist eine weitere Produktion geplant.





