«Aso för me esch es no schön, e chli Gseuschaft zha, wenn i wärchle», spricht der Bauer und gelegentliche Bühnengehilfe Aschi Rüegsegger zum unverhofft anwesenden Publikum. Gekommen ist er eigentlich für die Vorbereitungen des neuen Stückes über Adrian von Bubenberg in der Kulturfabrik Bigla. Gefunden hat er eine unfertige Bühne und einen vollen Saal. Zunächst ist Aschi etwas verdattert, denn in seinem Dienstplan ist nichts von einer Vorführung vermerkt. Schnell fängt er aber an, eine Lösung für die Panne zu suchen, und gerät dabei je länger, je mehr ins Plaudern. Immer wieder kommt ihm etwas in den Sinn, das er unbedingt erzählen will. So reihen sich Anekdoten aus seinem eigenen Leben an Geheimnisse aus dem Theaterbetrieb, und der Zuschauer erfährt von seinen heimlichen künstlerischen Ambitionen. Beispielsweise zeigt er, wie man mit Randensaft eine täuschend echte Blutlache inszenieren kann, oder er erzählt, wie er als Kind im Krippenspiel den Hirten gespielt hat und gibt mit leuchtenden Augen «Kommet ihr Hirten» zum Besten.
Aschi – der Promi aus Biglen
Gespielt wird das Einmannstück «Aschis Stärnstund» von Schauspieler, Autor und Regisseur Peter Leu, der ausserdem die Kulturfabrik Bigla sowie das Freilichttheater Mosegg leitet. Leus Kunstfigur Aschi Rüegsegger ist in der Gegend längst kein Unbekannter mehr, seit ein paar Jahren gehört er zur Bigler Prominenz. Immer wieder tritt Leu als tollpatschiger und besserwissender Bauer Rüegsegger auf, sei es für die 1.-August-Ansprache oder als Showeinlage an Silvester. Zum festen Programm der Kulturfabrik Bigla gehört seit dieser Saison die Talkshow «Aschis Gaschtig» mit Persönlichkeiten aus der Region, die auch ins Lokalradio übertragen wird.
Entstanden ist die Figur ursprünglich aus einem Jux: Beim Verlesen der Kleinanzeigen auf dem damaligen Radio Emmen rief Peter Leu in die Sendung an und meldete sich als Aschi Rüegsegger aus Eggiwil. Aus seinen unmöglichen Fragen an die Moderatorin ergab sich ein lustiges Spiel des gegenseitigen Veräppelns.
Assoziationen und Wortwitz
«Aschis Stärnstund» ist das Emmentaler Pendant zu Eberhard Sreuls «Die Sternstunde des Josef Bieder». Auf die Idee, das Lustspiel für Aschi Rüegsegger umzuschreiben, kam Peter Leu, als er im Fernsehen das Originalstück mit dem Österreicher Komiker Otto Schenk sah.
«Aschis Stärnstund» spielt auf verschiedenen Ebenen. Einerseits thematisiert das Stück den Theaterbetrieb und wirft einen ironischen und kritischen Blick hinter die Kulissen. Andererseits stellt es den Bezug zur Kulturfabrik Bigla her, in der Aschi als Bühnenhelfer und «Tookmaschter» ein und aus geht. Darüber hinaus entwickelt Leu auch die Figur des Aschi und die Beziehung zu seiner Frau Vrene weiter.
Durch assoziative Verknüpfungen springt Aschi von einer Ebene zur anderen, woraus sich ein Stück aus einem Guss ergibt. «Aschis Stärnstund» zeichnet sich zudem durch seinen Wortwitz aus. Wenn aus der Ouvertüre von Offenbach die Ofentüre von Offenbach und aus dem Konservatorium das Observatorium wird, oder wenn Aschi behauptet, das Ballett «Schwanensee» stamme von dem Araber Scheich Ovsky, kitzelt er auch dem letzten Zuschauer ein Lächeln aus dem Mundwinkeln.





