Bernhard Mikeska hat Physik und Astrophysik studiert. Heute arbeitet er aber nicht in einer Sternwarte, sondern observiert die Welt als Regisseur: «Was ist das, die Wirklichkeit? Diese Frage beschäftigt mich.» So suchte er schon bei einigen Projekten die Schnittstelle zwischen Realität und Inszenierung, wohl aber noch nie so direkt wie jetzt in Bern.
Wieviel Regie führt der Zufall?
Der Schauplatz des Stücks ist die Spitalgasse, Nähe Loeb-Ecke. Und zwar die richtige Spitalgasse, keine nachgebaute Kulisse. «Es ist ein Verkehrsknotenpunkt. Alle wollen irgendwohin, und das passt zu unserem Stück», erklärt Mikeska. In den kurzen Sequenzen von Autor Peter Stamm geht es oft um die Atemlosigkeit und die Unverbindlichkeit des modernen Lebens. Es würden nicht die ganz grossen Fragen verhandelt, meint der Regisseur, aber darauf komme es nicht an.
Der Clou liegt in der Inszenierung. Das Publikum sitzt nämlich in Schaufenstern des Warenhauses Loeb und verfolgt das Geschehen über Kopfhörer. «Wir arbeiten mit filmischem Spiel», sagt Mikeska, «es ist Absicht, dass sich Realität und Fiktion kaum unterscheiden lassen.»
Wer die Gesichter des Schauspiel-Ensembles des Stadttheaters nicht gleich erkennt, wird rätseln, was vom Gesehenen inszeniert wurde und was Zufall war. Gleichzeitig muss man sich fragen: Gehöre ich selbst zur Inszenierung? Schliesslich sitzt man im Schaufenster und wird von Passanten angeschaut. Es braucht also ein bisschen Mut, wenn man sich von einem Astrophysiker an die Realitätsgrenze führen lässt.





