«Dominik Stauch und Francis Bau-de-vin sind sich bisher noch nie begegnet. Selbst die Arbeiten des anderen haben sie nicht gekannt», erzählt Helen Hirsch, die Direk-torin des Kunstmuseums Thun. Ihr ist es zu verdanken, dass sich die Wege der beiden Schweizer Künstler nun im Rahmen der Ausstellung «Golden Days. Francis Baudevin, Dominik Stauch featuring Daan Van Golden» zum ersten Mal kreuzen.
Die Biografien von Baudevin und Stauch weisen viele Gemeinsamkeiten auf: Der 50-jährige Stauch und der 48-jährige Baudevin gehören derselben Künstlergeneration an, haben beide Grafik studiert und spielen Gitarre in einer Band. Beide interessieren sich in ihren künstlerischen Arbeiten für geometrische Formen, verwenden klare Farben und schaffen immer wieder Bezüge zur (Pop-)Musik.
Francis Baudevin und Dominik Stauch …
Der in Lausanne wohnhafte Francis Baudevin malt und fotografiert hauptsächlich. Bekannt wurde er durch seine Gemälde von Medikamentenverpackungen, für die er die vorhandenen Farbflächen der Schachteln übernimmt und die Schrift weglässt. Dadurch entstehen abstrakte, geometrische Farbkompositionen. Dasselbe macht er auch mit Plattencovers. So ist für die Ausstellung in Thun eine Wandmalerei entstanden, die als Hommage an die Sängerin Aretha Franklin gedacht ist: Baudevin hat eine Wand vertikal unterteilt und in den Farben Pink, Orange und Rot gestrichen. Die drei gleichen Farbstreifen hat Franklin für ihr Album «The Tender, The Moving, The Swining» aus dem Jahre 1962 verwendet.
Der Thuner Dominik Stauch arbeitet mit unterschiedlichen Medien. Seine -Videoinstallation «On The Road (Going De Stijl)» aus dem Jahre 2007 ist eine Auseinandersetzung mit der Farben- und Formenwelt der Künstlergruppe De Stijl. Farbstreifen ziehen auf vier Monitoren von links nach rechts. Von Stauch sind in Thun neben Videoarbeiten auch Objekte, wie etwa bearbeitete Möbelstücke, und Malereien zu sehen.
Gerade weil sich Baudevin und Stauch erst im Rahmen der Ausstellungsvorbereitungen kennengelernt haben, freut sich Hirsch darüber, dass es zu einigen spannenden Bezügen gekommen ist. Ein erster ist bereits im Eingangsbereich sichtbar: Eine bemalte Trommel von Stauch («ohne Titel, after William S. Burroughs», 2009) steht je einer Malerei und einer Fotografie Baudevins gegenüber die eine Vinylplatte abbilden. In beiden Werken geht es um Musik und formal um den Kreis. Diese Konfrontation weckt die Aufmerksamkeit der Besucher für weitere Annäherungen der beiden.
… featuring Daan Van Golden
Und nun mag man sich fragen, welche Rolle dem 75-jährigen Holländer Daan Van Golden zukommt. Seine Arbeit, «Golden Years», wird in der Veranda des Museums gezeigt. Van Golden hat für jedes Jahr von 1936 bis 2006 ein Pressebild ausgewählt und gesammelt. Entstanden ist eine subjektive Bilderreihe, die Ereignisse aus Politik und Kultur vereint. Einen Schwerpunkt bildet die Musik der sogenannten Goldenen Jahre, die auch in Baudevins und Stauchs Arbeiten immer wieder auftaucht. Und fungiert somit als (weiteres) Bindeglied zwischen den beiden Schweizern.





