Im Zentrum Paul Klee befassen sich gleich zwei Ausstellungen mit Paranormalem: die grosse Sonderausstellung «L’Europe des esprits – die Magie des Unfassbaren von der Romantik bis zur Moderne» und die Sammlungsausstellung «Unheimlich. Hexen, Geister und Dämonen bei Paul Klee». Die beiden Ausstellungen sind zwar unabhängig voneinander konzipiert, zeigen aber Gemeinsamkeiten und ergänzen sich mit ihren Unterschieden.
Übernatürliches hat Künstler immer wieder in den Bann gezogen. Die Themenausstellung «L’Europe des esprits» konzentriert sich auf ausgewählte spiritistische Strömungen von der Romantik bis in die 1930er-Jahre. Vertreten sind Künstler wie Johann Heinrich Füssli, Ferdinand Hodler und Klees Zeitgenossen Piet Mondrian und Wassily Kandinsky. Die monografische Schau «Unheimlich. Hexen, Geister und Dämonen bei Paul Klee» überblickt Klees Welt der fantastischen Gestalten.
Während «L’Europe des esprits» durchwegs ernsthafte Auseinandersetzungen mit spiritistischen Phänomenen aufzeigt, ist Klees Umgang mit dem Unheimlichen voller ironischer Anspielungen. Ein wichtiger Schnittpunkt beider Ausstellungen ist der Anthroposoph und Philosoph Rudolf Steiner: Kandinsky galt als glühender Anhänger, Klee als grosser Kritiker.
«L’Europe des esprits»
Zu Beginn der Ausstellung «L’Europe des esprits» steht man dem Elf Puck aus Shakespeares «Ein Sommernachtstraum» gegenüber. Die Abbildung der mythologischen Gestalt stammt vom Schweizer Johann Heinrich Füssli und entstand um 1790. Die Auseinandersetzung mit dem Unfassbaren beruhte in der Romantik oft auf literarischen Quellen.
Steiner, Kandinsky und die Theosophie
Einen Höhepunkt findet die Darstellung des Spirituellen im Aufkommen der Theosophie Ende des 19. Jahrhunderts. Die Bewegung war bestrebt, Erkenntnisse über das Göttliche intuitiv zu erfahren. Der spätere Anthroposoph Rudolf Steiner war genauso ein Anhänger dieser Strömung wie Wassily Kandinsky, dessen Werke in der Ausstellung gezeigt werden. Diese will das Thema nicht vollständig abhandeln, beleuchtet das Phänomen aber punktuell sehr gut.Das ZPK hat die Zusammenstellung in weiten Teilen vom Musée d’art moderne et contemporain in Strassburg übernommen. Die grosse enzyklopädische Schau wurde von Kurator Michael Baumgartner für das ZPK angepasst.
«Unheimlich. Hexen, Geister und Dämonen bei Klee»
Klees Welt der nichtirdischen Wesen lässt sich nicht in einen Überbegriff fassen. Es sind Götter und Dämonen, Erdgeister und Fantasiewesen wie die erfundenen Urchsen oder verwandelte Katzen, aber auch menschliche Wesen. Witz und Ironie und die Tatsache, dass die Fantasiefiguren fast immer menschliche Züge haben, lässt sie einen Teil ihrer Unfassbarkeit verlieren.
Gut und Böse im Gleichgewicht
Die Sammlungsausstellung «Unheimlich. Hexen, Geister und Dämonen bei Paul Klee» vereint rund 180 Werke Klees. Die Arbeiten sind mehrheitlich auf Papier und stammen aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Kuratiert hat die Ausstellung Fabienne Eggelhöfer. Geschickt nimmt sie Klees Humor in der Hängung der Bilder auf. So beginnt etwa eine Reihe von Werken zum Thema Auferstehung auf Augenhöhe, danach hängt jedes Bild ein wenig höher, beim Betrachten des obersten fühlt man sich wie in der ersten Reihe im Kino. Andere Werke hängen ungewohnt tief und zwingen zum Kniefall: Sie sollen besonders die Kinder ansprechen.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Klee ganz und gar kein religiöser Mensch war. So können seine «Teufel» gutartig sein und die «lieben» Götter grimmig blicken. Die Zeichnung «Spiritistische Katastrophe» ist eine witzige Anspielung auf das damals sehr beliebte Möbelrücken. Mit der humorvollen Arbeit distanziert sich Klee von den esoterischen Strömungen seiner Zeit.





