«Ein Prinz ist Klee, Sonntagskind, das wir spielen lassen, weil sein reines, von Genien begnadetes Spiel unser eigenes Leben umsingt mit dem holden Eiapopeia des himmlischen Reichs.» Das schrieb ein Kritiker 1919 über den damals immerhin schon vierzigjährigen Paul Klee.
Als Kuratorin Fabienne Eggelhöfer auf das Zitat stiess und beschloss, es in die Ausstellung zu integrieren, fragte sie den scheidenden Direktor Juri Steiner, der die Idee zur Ausstellung «Eiapopeia. Das Kind im Klee» geliefert hatte, ob er sich bei der Titelwahl darauf bezogen habe. Doch Juri Steiner kannte das Zitat nicht und meinte, das sei wohl Intuition gewesen. Eine kleine Anekdote, die wunderbar zum Schaffen von Paul Klee passt, der sich für Esoterik und Theosophie, eine Lehre, die ganz auf intuitives Sinnsuchen setzt, interessierte.
Rückwärts im Schneckentempo
Intuitiv werden wohl auch die Kinder das auffallendste Objekt in der neuen Wechselausstellung zum Jahresschwerpunkt «Kind» ansteuern. Mitten im Raum steht nämlich ein Karussell des 1961 in Brüssel geborenen Künstlers Carsten Höller. Rundendrehen ist leider nicht erlaubt, und wer das doch tun würde, führe im Schneckentempo rückwärts. Es handelt sich um ein Karussell aus den 1950er-Jahren, das der Künstler erworben und geringfügig modifiziert hat. Indem Höller das Karussell gänzlich ohne Ton und rückwärts fahren lässt, torpediert er unsere Erwartungen und macht aus etwas Fröhlichem etwas beinahe Unheimliches.
Rund um Höllers poetische Installation
wird anhand von 130 Zeichnungen Paul Klees und Kurzfilmen der Gebrüder Lumière das Thema Kind ausgelotet. Insgesamt sieben Themenbereiche von «Spass» bis «Angst» beweisen vor allem eines: Kinder bleiben Kinder, egal ob sie um 1900 oder im 21. Jahrhundert geboren wurden. Zwei Knirpse sitzen in einer Filmsequenz friedlich nebeneinander, bis der eine sich etwas schnappt, was der andere auch gerne haben möchte. Beide brechen zuletzt in herzzerreissendes Geschrei aus.
Gebt mir Süsses, sonst gibt es Saures
Auch in Klees Zeichnungen trifft man zeitlose Situationen. Das Kind als Ruhestörer, das sich zwischen die beiden Eltern drängt und frech zu fordern scheint: «Gebt mir Süsses, sonst gibts Saures.» Aber auch das Kind als anhängliches und schutzbedürftiges Wesen, das mit der Mutter in einer Symbiose lebt. Oder das Kind als fantasierendes Geschöpf, das nachts von bösen Wölfen heimgesucht wird.
Klees Sicht auf das Kind und insbesondere auf die Kindererziehung verändert sich während des Nationalsozialismus. Er macht sich über eitle Pädagogen lustig, die die Kinder mit Ertüchtigung und Züchtigung zu besseren Menschen machen wollen. Die Brutalität der Kriegsjahre spiegelt sich etwa in seiner Zeichnung «Schwer Erziehbare», auf der Erwachsene regelrecht auf die Kinder treten. Auch «Der kleine Preusse» aus dem Jahre 1938 spricht eine deutliche Sprache. Aus den kriegerischen Kindereien ist längst bitterer Ernst geworden.





