Sie mögen die Stille in Museen nicht? Sie fühlen sich darin sogar selbst ausgestellt? Oder Sie verstehen die Kunst nicht, vor der Sie stehen? Dann ist die Museumsnacht perfekt für Sie – dieser Anlass, der Ausstellung und Party vereint und mit diesem Prinzip jedes Jahr viele Bernerinnen und Berner auf die Strasse und in die Ausstellungshäuser lockt. Inmitten dieser Menschentrauben überlagert das angenehme Gefühl des Dabeiseins die Beklemmung des Nichtverstehens.
Damit hängt wohl der Erfolg der Museumsnacht zusammen: Sie macht die Kunst nahbar, und das spricht die Leute an. Initiiert vom Verein Berner Museen, findet der Grossevent dieses Jahr zum zehnten Mal statt. Das Konzept ist immer dasselbe: Museen unterschiedlichster Ausrichtung öffnen ihre Tore bis spät in die Nacht und runden ihr Angebot mit kulturellen und kulinarischen Happen ab. Ein Ticket ermöglicht den Besuch beliebig vieler Orte.
Eindrückliche Erfolgsgeschichte
Das Konzept «Museumsnacht» hat seinen Ursprung in Berlin. Seit den 90er-Jahren findet dort die «Lange Nacht der Museen» statt. Die Idee wurde 1999 erstmals in der Schweiz übernommen, in Vevey und Montreux. Ein Jahr später folgte Luzern, 2001 kamen Basel, Zürich und Lausanne dazu und 2003 die Berner Museumsnacht. Das Konzept der «Langen Nacht» erfreut sich mittlerweile auch in anderen Lebensbereichen grosser Beliebtheit: Nebst Museums- und Kulturnächten gibt es Nächte der Forschung; Basel hat gar eine Sportnacht. Im Zentrum steht immer die Absicht, neue Besucherkreise zu gewinnen.
Die Berner Museumsnacht ist schnell gewachsen. An der ersten Ausgabe, 2001, wurden 38 000 Eintritte gezählt, beteiligt waren 16 Institutionen. 2011 zählten die 40 beteiligten Häuser insgesamt 115 000 Eintritte. Geht man davon aus, dass jeder Besucher im Schnitt drei bis vier Angebote nutzt, so entspricht das etwa 40 000 Besuchern. Ein Vergleich zeigt die Bedeutung des Events: Im gesamten Jahr 2011 zählte das Kunstmuseum 81 765 Eintritte.
Was wäre ein runder Geburtstag ohne Überraschungen? Viele Institutionen planen spezielle Jubiläumsaktionen. Bloss das Einsteinhaus muss wegen eines Wasserschadens geschlossen bleiben, und das Alpine Museum kann aus demselben Grund nur mit reduziertem Programm mitmachen.
Geschenk an die Bevölkerung
Die Organisatorin, der Verein Museen Bern, macht Bern ein Geschenk. Das Geheimnis ist leider verfrüht gelüftet worden: In der Aare werden zwischen Dalmaziquai und Kirchenfeldbrücke fünf LED-Lichter versenkt. Wie Sternschnuppen leuchten diese «Aareschnuppen» in unregelmässigen Abständen auf. Während dreier Jahre, so lange bleibt die Installation stehen, können sich glückliche Spaziergänger etwas wünschen.
Tour 1: Für Museumsmuffel
Werden Sie in drei Etappen zum Kunstkenner. Zur Einstimmung empfiehlt sich der Besuch der Ausstellung «Sapperlot – Mundarten in der Schweiz» (Bild) in der Nationalbibliothek. Werden Sie danach etwas mutiger und schauen Sie sich im Kornhaus die Fotoausstellung von Reto Camenisch und Alexander Jaquement an. Krönen Sie den Abend mit abstrakter Kunst an einer Kurzführung zur Sean- Scully-Ausstellung im Kunstmuseum.
Tour 2: Für Kulinariker
Geniessen Sie ihren Apéro an der Urwaldbar im Botanischen Garten mit einem Drink und einem Flammkuchen. Schlendern Sie über die Lorraine- und die Kirchenfeldbrücke zum Alpinen Museum. Regen Sie vor dem Nachtessen im neu eröffneten Museumsbistro las alps ihren Appetit an, indem Sie helfen, den 30 Tonnen schweren Berg vor dem Museum zu versetzen. Machen Sie auf dem Heimweg halt bei SBB Historic: Dort gibt es feine Desserts nach Originalrezepten aus der Rottenküche.
Tour 3: Für Tonfanatiker
Statten Sie der Hochschule der Künste eine Besuch ab und entdecken Sie die Stars von morgen. Mit musikalischen Darbietungen und Performances gibt es dort allerlei zu hören. Erleben Sie dann in der Kunsthalle das Zusammentreffen von Malerei und Musik. Der Auftritt des amerikanischen Musikers Stephan O’Malley verspricht ein Spektakel. Im Robert-Walser-Zentrum können Sie schliesslich den Abend zu Lesungen bekannter Berner Autoren ausklingen lassen.
Tour 4: Für Museumspassbesitzer
Auch wenn Sie die üblichen Museen schon vor der Museumsnacht abgeklappert haben, können Sie etwas erleben. Lassen Sie sich von Mitarbeitern des Tiefbauamtes das Wasserspiel auf dem Bundesplatz erklären – unterirdisch. Besuchen Sie danach im Schützenmuseum die Kabinettausstellung «Blindgänger». Und wenn Sie dann doch noch fachsimpeln möchten, mieten Sie sich in der Antikensammlung einen Archäologiestudenten. Sie werden auf Ihre Kosten kommen.





