
Mord und Totschlag. Eine Ausstellung über das Leben
Die Ausstellung beleuchtet das Phänomen Gewaltverbrechen in seiner historischen und aktuellen Dimension.
Veranstaltungsort
Bernisches Historisches Museum
Helvetiaplatz 5
3005 Bern
Tel 031 350 77 11
Fax 031 350 77 99
In Büchern und Filmen wird gemordet und gemetzelt, was das Zeug hält. Ist Mord beliebt?
Mord ist in erster Linie interessant. Sogar die «NZZ» ist genötigt, eine Seite mit vermischten Meldungen beizubehalten. Für einige Menschen ist Mord auch ein Faszinosum, aber «beliebt» ist Mord sicher nicht.
Kann man das breite Interesse mit einer gewissen Angstlust in Verbindung bringen?
Ja. Angstlust oder auch Schaulust ist sehr breit gestreut, wir gehen in der Ausstellung auch darauf ein. Wir zeigen aber bewusst nichts Schockierendes. Bei uns sieht man bloss, was man auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen senden könnte – auch wenn gerade jüngere Besucher oft härtere Sachen gewöhnt sind.
Hat sich unser Verhältnis zu Mord und Totschlag im Lauf der Jahrhunderte geändert?
Die Ausstellung hat einen starken Gegenwartsbezug und greift selten weiter zurück als ein paar hundert Jahre. Aber das Verbot von Mord und Totschlag ist eine menschliche Grundkonstante. Wir sind heute dem Anblick von Toten weniger ausgesetzt. Die Aufbahrung von verstorbenen Verwandten gehört nicht mehr zum Alltag, genauso wenig wie das öffentliche Hinrichten von Menschen.
Ein Mord kann nicht rückgängig gemacht werden. Er ist absolut. Ist er auch das absolut schlimmste Verbrechen?
Diese Frage muss sich die Gesellschaft glücklicherweise nicht mehr stellen, seit die Todesstrafe abgeschafft wurde. Andererseits muss sich die Justiz mit der Frage auseinandersetzen, und ich denke, die Gesellschaft sieht durchaus schlimmere Verbrechen. Denken Sie etwa an schwere Folterungen. Da werden die meisten Menschen einen Unterschied beispielsweise zu einem schnellen Tod machen.
Was hat Sie während der Arbeit an der Ausstellung am meisten beeindruckt oder überrascht?
Wie viele Verbindungen ich vom Thema zu meinem Alltag gefunden habe, sei es wegen der vielen Bücher dazu oder weil wir Fragen der wirtschaftlichen Gewinnmaximierung integrierten. Erstaunt hat mich, wie sehr mich die Auseinandersetzung mit der Zeit belastete.
Krimis schauen Sie vorläufig keine mehr.
Es ist ein böses Wort in diesem Zusammenhang, aber wenn mich ein Film ästhetisch anspricht, dann werde ich mich auch weiterhin amüsieren. Um den Abstand zum Thema an sich bin ich jedoch froh.




