Ausstellung «Berge versetzen. Eine Auslegeordnung»
Alpines Museum, Bern. Ausstellung bis 26.8.
www.alpinesmuseum.ch
Das Alpine Museum
Seit über 100 Jahren sammelt das Alpine Museum Objekte zu und aus den Bergen: Fotos, Bücher, Bilder, Skibrillen, Karabinerhaken, ausgestopfte Tiere und so weiter. In seiner ersten Ausstellung nach dem Umbau, «Berge versetzen. Eine Auslegeordnung», präsentiert das Museum sein Sammelgut. «Bewahren oder fortwerfen?», lautet eine Frage, die das Publikum beantworten kann. Im kleinen Kunstraum «Biwak» im Erdgeschoss steht eine Soundinstallation in Bergreliefform des Klangkünstlers Christoph Brünggel. Sie macht Geografie hörbar. Im «Biwak» werden auch künftig Arbeiten junger Kunstschaffender zu sehen sein.
Ebenfalls neu eröffnet hat das Restaurant «las alps» im Erdgeschoss. In einer schlichten Atmosphäre mit viel Holz bietet es jeden Tag kulinarische Spezialitäten aus dem Alpenbogen (von Nizza bis Slowenien) als preisgünstiges Mittagsmenü. Donnerstags kann auch am Abend diniert werden.
(Julia Wolf)
Mit Beat Hächler an der Spitze beginnt für das Alpine Museum eine neue Ära. Der 50-Jährige hat vom Stiftungsrat den Auftrag erhalten, das Haus am Helvetia-platz auf die Gegenwart auszurichten. Im Stapferhaus Lenzburg hatte sich Hächler zuvor einen Namen als innovativer Ausstellungsmacher geschaffen, der aktuelle Themen fürs Publikum greifbar macht. Der Historiker lebt seit seinem Studium in Bern.
Herr Hächler, 2005 gab die Stiftung Alpines Museum bekannt, dass sie das Haus zu einem «Bergwelt-Zentrum» umgestalten wolle. Das klang damals schon nach Ihrer Handschrift.
Ich habe mich erst im Frühjahr 2010 mit dem Haus beschäftigt, als die Leitung ausgeschrieben wurde. Doch zentral scheint mir: Die Bergwelt beginnt in der Stadt. Die Alpenthemen sind unsere Alltagsthemen: Identität, Mobilität, Energie, Nachhaltigkeit, Klima. Das soll hier eine Plattform finden.
Was ist denn Ihre persönliche Beziehung zu den Alpen?
Sie sind mir eine wichtige Landschaft, ein Ausgleich. Wenn ich viel am Schreibtisch gesessen habe, brauche ich frische Luft und Bewegung. Es gibt eine lange Tradition, die Berge als heile Welt zu sehen, in der alles etwas besser ist. Das sehe ich bei mir selbst.
Reinhold Messner hat gesagt, dass der Alpinismus aus den Städten kommt. Steht das Museum in Bern also am richtigen Ort?
Reinhold Messner hat auch gesagt, das schweizerische Alpine Museum würde besser in Grindelwald stehen. Das sehe ich anders. Bern ist genau der richtige Ort. Die Berge sind weitgehend eine kulturelle Konstruktion. Albrecht von Haller, der im 18. Jahrhundert «Die Alpen» geschrieben hat, sass ebenfalls in Bern: Die Städter sehen seit Jahrhunderten in den Bergen, was sie sehen möchten.
Sind wir Schweizer die Alpen?
Zweifellos sind sie Teil unseres nationalen Selbstverständnisses. Gerade in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in welchen die Globalisierung als Gefahr erlebt wird, gewinnen die Berge an Bedeutung für unsere Identität. In den 70ern standen sie für eine politische Form der Traditionsbewahrung. In den 80ern versperrten sie die freie Sicht aufs Mittelmeer. Inzwischen sind sie kulturverträglicher, breiter geworden. Es gibt Zugänge von links bis rechts.
Wie gehen Sie mit dieser breiten Zustimmung um?
Unbeschwert. Mir gefällt die schillernde Qualität der Berge. Sie hat fast etwas Subversives. Das erste Jahr ist denn auch programmatisch gedacht. Wir machen eine Auslegeordnung und fragen: Wozu ein Alpines Museum? Das Publikum kann Stellung nehmen und mitdiskutieren. Die zweite Ausstellung «Intensivstationen» wird heftiger, mit Gegenwartsfotografien von Lois Hechenblaikner zur Erlebnisbewirtschaftung der Alpen. Hechenblaikner provoziert Fragen und Positionsbezüge. Dazu ist ein Museum da.
Bekommt dann die Bergbevölkerung nicht das Gefühl, die Städter wollten ihr ihre Welt erklären?
Eine berechtigte Frage. Doch Dialog setzt voraus, dass andere Positionen zum Zug kommen. Die Sicht der Bergler, der Tourismusbranche wird vorkommen müssen. Das Museum kann seine Glaubwürdigkeit als Themenplattform nur im Diskurs entwickeln. Wir sind nicht allwissend.
Was heisst das konkret?
Wir planen Ausstellungs- und Veranstaltungsformate, die die Besucher teilhaben lassen. Unsere Besucher sind ja nicht leere Blätter, sondern Akteure, die im Hier und Jetzt leben und ihre Erfahrungen mitbringen. Diese Ausgangslage möchte ich für das Ausstellungserlebnis nutzen. Das spricht für ein Konzept, das ich soziale Szenografie nenne.
Viele Themen, die auf der Hand liegen, sind politisch. Gibt es auch eine andere Sichtweise auf die Alpen?
Der ganze kulturelle Kontext ist sehr spannend, die Musik, die Filme, Literatur, die Berge sind in allen Schattierungen gross. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass das Musikfestival «Alpentöne» in Altdorf bei uns ein Fenster erhält. Und im Ausstellungsraum «Biwak» möchte ich junge Künstler präsentieren, die sich mit den Alpen beschäftigen.
«Berge versetzen» – ein Beitrag von Art-tv
Zum Art-tv-Beitrag
Den ganzen Beitrag finden sie hier.





