Rind und Karotte sitzen sich an einem Tisch gegenüber. Vor ihnen ist ein Vergleich aufgeführt: Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch benötigt 269 m2 Land, 15 500 Liter Wasser und verursacht 13,3 Kilo CO2. Die gleiche Menge an Karotten wird auf nicht einmal 10 cm2 angebaut, braucht gerade mal 195 Liter Wasser und verursacht nur 0,29 Kilo CO2. Ein frappanter Unterschied, der durch entsprechend grosse, farbige Felder auf der Tischfläche sofort ins Auge sticht.
Comicartig gestaltete Stellwände wie diese führen das Publikum ohne Umwege ins Thema des Klimawandels ein. Dem hat das Naturhistorische Museum die Ausstellung «Erdbeeren im Winter – ein Klimamärchen» gewidmet.
Um die komplexe Problematik des Klimawandels einem breiten Publikum näherzubringen, haben sich die Kuratoren Simon Haller und Claude Kuhn ein interaktives, multimediales Konzept ausgedacht. Der grosse Raum im zweiten Stock wurde einem Einkaufszentrum entsprechend in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Der Besucher durchläuft Lebensmittelabteilung, Fashion Store und Multimedia-Abteilung sowie Zoohandlung und Reisebüro.
«Planet der Ziemlichschlauen»
Mit guten Geschichten und einleuchtenden Vergleichen werden die komplexen Sachverhalte verständlich aufgeschlüsselt. Die einprägsame Erlebniswelt verstärken grossformatige Illustrationen des Berner Grafikerkollektivs BlackYard. «Wir wollen Zusammenhänge spielerisch aufzeigen und nicht mit dem Zeigefinger auf die bestehenden Verhältnisse weisen», umreisst Simon Haller den Ansatz.
Höhepunkt ist der eigens für die Ausstellung realisierte Kurztrickfilm «Planet der Ziemlichschlauen». In einer schwarzweissen Silhouettentechnik wird die Geschichte der Menschheit anhand der Entwicklung verschiedener Energieformen erzählt.
An der Umsetzung des kleinen Kunstwerks waren einige bekannte Künstler beteiligt: Das Drehbuch stammt von Balts Nill (ehemals Stiller Has), der zusammen mit Bassist Mich Gerber auch für die Vertonung zuständig war. Die Illustrationen zeichnete Jared Muralt von BlackYard, der auch Regie führte. Patrick Julier hat die Bilder animiert, die Geschichte erzählt Michael Schacht.
Erneute Zusammenarbeit
Hinter «Erdbeeren im Winter» steht neben Claude Kuhn einmal mehr Simon Haller. Der Gründer und Geschäftsführer der Agentur Expoforum hat sich mit Ausstellungen zu politischen, sozialen und historischen Themen einen Namen gemacht. Von ihm stammt auch die vor einem Jahr eröffnete Dauerausstellung «Riesenkristalle – der Schatz vom Planggenstock».
Wie Betriebsleiter Erich Stettler verrät, war das Museum mit Hallers Umsetzung sehr zufrieden: «Als er uns von seiner Ausstellungsidee zum Thema Klimawandel erzählte und wir freie Raumkapazitäten hatten, war sofort klar, dass Haller auch diese Schau machen würde.» Anders als die Riesenkristalle sind die «Erdbeeren im Winter» eine Wanderausstellung, die auch noch an weiteren Orten in der Schweiz zu sehen sein wird.





