Streng und stolz wirken die Menschen auf den Porträts von Jean Moeglé. Doch trotz der Distanziertheit erscheinen die Gesellschaften oder Einzelpersonen unverfälscht und strahlen eine erhabene Präsenz aus. Der Fotopionier verstand es, mit Menschen umzugehen und sie in ihrem Wesen zu erfassen.
Um die Jahrhundertwende fotografierte Jean Moeglé Familien in den Salons ihrer Herrenhäuser am Thunersee. Oder er lichtete Touristen auf einer Skitour ab. Doch Moeglé wollte nicht lediglich ein geschätzter Gesellschaftsfotograf sein. Er wollte seine Fotografie weiterentwickeln und strebte nach Qualitätsverbesserungen. Schon früh entwickelte der Tüftler ein Verfahren für Grossvergrösserungen und stellte bereits 1901 erste Farbdiapositive her. Er war ein Meister im Umgang mit schwierigen Lichtverhältnissen und inszenierte seine Bilder mit akribischer Sorgfalt. Es konnte Tage dauern, bis er mit seiner Bildkomposition zufrieden war. Doch bei aller Akribie wirken die Menschen in seinen Fotografien nie unnatürlich.
Früh übt sich
Moeglé wurde 1853 in Birkach bei Stuttgart als Sohn eines Schreiners und Möbelfabrikanten geboren. Johann Moeglé und sein Bruder Carl Emil strebten schon früh einen Platz im Berufsfeld Fotografie an. Die Fotografie steckte zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen. Um in diesem Geschäft Fuss zu fassen, waren nicht nur technisches und künstlerisches Talent erforderlich. Man musste auch die Ambitionen eines Erfinders und Entdeckers mit sich bringen.
Bereits mit vierzehn Jahren begann Jean Moeglé eine dreijährige Lehre beim Fotografen Jakob Höflinger in Basel und arbeitete danach als Gehilfe in Lausanne und in Mühlhausen. Zu dieser Zeit arbeitete sein Bruder beim regional bekannten Fotografen Rudolf Bühlmann in Thun, wo er ihn oft besuchte. Als begeisterter Sportler machte sich Moeglé vorerst eher einen Namen als engagierter Turner denn als Fotograf. Er war Mitglied im Turnverein und integrierte sich auch sonst im Thuner Vereins- und Gesellschaftsleben. Erst als Rudolf Bühlmann auch ihn in seinen Betrieb rief, begann Moeglés Karriere als Fotograf. Er eröffnete in Thun sein eigenes Atelier, das bald florierte. Er betrieb es bis in die späten 1920er-Jahre, doch er blieb ein Fotograf des 19. Jahrhunderts und ein Vertreter der Pionierzeit der Fotografie.
Die 120 Bilder, die im Kornhaus zu sehen sind, zeigen nicht nur Moeglés Fähigkeiten als Bildkomponist, sie sind auch Zeitdokumente und gewähren uns einen Einblick in die Ästhetik und in das gesellschaftliche Leben des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts.





