Ausstellung «… Die Grenzen überfliegen»
Kunstmuseum, Bern
Eröffnung: Di., 27.3., 18.30 Uhr
Ausstellung bis 12.8.
www.kunstmuseumbern.chEs gibt zwei Arten von Deutschlehrern: jene, die Hermann Hesse verehren, und jene, die ihn vehement ablehnen. Der Lehrer der Schreiberin hiess Wolf und mochte «Den Steppenwolf». «Unterm Rad» war man in der Handelsschule selbst ein wenig, einen «Demian» hätte man gerne gekannt, und in Goldmund aus «Narziss und Goldmund» erkannte man sich sowieso problemlos wieder.
Weniger bekannt ist Hermann Hesses malerisches Werk. Anlässlich des 50. Todestages zeigt das Kunstmuseum zusammen mit dem Museum Hermann Hesse Montagnola die erste Retrospektive des Kultautors. In sechs Räumen geben rund 140 Aquarelle und Zeichnungen Einblick in Hesses Malerei, die stark von den Strömungen seiner Zeit beeinflusst war. Eine Längstafel mit biografischen Angaben und Fotos zieht sich durch die ganze Schau.
Dabei wird auch deutlich, welch engen Bezug Hesse zu Bern hatte. Von 1912 bis 1919 liess er sich hier nieder und schrieb unter anderem den Künstlerroman «Ross-halde». Es war auch in Bern, wo seine spät begonnene Malereilaufbahn ihren Anfang nahm.
Schaffen in der Krise
Bisher verband man mit Hesses Aquarellen ein wenig brav wirkende, idyllische Landschaften. Das Kunstmuseum zeigt nun erstmals auch die sogenannten «Traumbilder», die Hesse während seiner schlimmsten Lebenskrise schuf. Zu jener Zeit begab er sich in Psychotherapie und schrieb am «Steppenwolf». Es sind teils abgründige Porträts und Selbstporträts im Stil des magischen Realismus, die von den dunklen Seiten des Schriftstellers erzählen. Wie Hesses Literatur befinden sich die Bilder an der Schwelle zwischen Romantik und Moderne, zwischen Schwärmerei und dem Bruch mit der Tradition.





