Wussten Sie, dass die uns so vertrauten Tomaten und Kartoffeln Neophyten sind, sprich Einwanderer aus der Fremde? Die Biologen Beat Fischer und Steffen Boch haben die Ausstellung «Schöne neue Pflanzenwelt?» im Botanischen Garten konzipiert. Fischer bläst zum Auftakt seiner Führung einen Ballon mit der Weltkarte darauf auf. «Pflanzen sind schon immer Migranten gewesen», stellt er als Erstes klar. Vor 65 Millionen Jahren, als die Dinosaurier ausstarben, hatte das heutige Gebiet der Schweiz ein Tropenklima. Während der Eiszeit hingegen sei im Mittelland kaum etwas gewachsen. Heute herrscht Pluralismus. Viele Neophyten stellen für die heimische Flora überhaupt kein Problem dar oder etablieren sich sogar als Nutz- und Heilpflanzen.
Fehlende Feinde
Ein Neophyt werde erst dann zum Problem, wenn er invasiv sei, erklärt Fischer. Das ist dann der Fall, wenn eine Pflanzenart sich exzessiv ausbreitet – oft, weil ihr in der Fremde die natürlichen Feinde fehlen. So verdrängten sie einheimische Arten. «Den Kampf gegen die Goldrute haben wir so gut wie verloren», so Fischer. Das eigentlich ganz hübsche gelbe Kraut aus Nordamerika ist höchst invasiv und steht gemeinsam mit 24 anderen Pflanzenarten auf der Schwarzen Liste. Sechzehn der darauf aufgeführten Pflanzen dürfen laut Freisetzungsverordnung weder vermehrt noch freigesetzt oder verkauft werden.
Die meisten Neophyten präsentieren die Ausstellungsmacher in natura. Die fiese Goldrute haben sie hingegen auf einer Metallplatte illustrieren lassen. Würde der Botanische Garten diesen Eindringling, der im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa kam, anpflanzen, würde er sich nämlich strafbar machen. Im Rahmen der Ausstellung werden Freiwillige gesucht, um gemeinsam Goldruten zu jäten, die heimische Pflanzen mit Lichtentzug und Wurzelkonkurrenz ausrotten.
Internationales Problem
Doch auch unsere eigenen Auswanderer sind nicht ganz ohne. Die Ausstellung präsentiert auch Pflanzen, die bei uns unscheinbar sind, sich auf anderen Kontinenten jedoch wie Invasoren gebären. Das Johanniskraut, das bei uns gegen Depressionen eingesetzt wird, ist anderswo eine regelrechte Plage.
Nach dem Rundgang durch den Garten ist klar: Pflanzen sind alles andere als harmlos. Besonders unheimlich ist der Neophyt namens Riesen-Bärenklau. Wer ihn bei Sonnenlicht berührt, kann sich schwere Verbrennungen zuziehen. Schon der Arzt, Alchemist und Mystiker Paracelsus (1493–1541) wusste: «Alle Dinge sind Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.» Deshalb gilt: Bevor sie ein Kraut über den Klee loben, fragen sie zu Risiken und Nebenwirkungen ihren Arzt oder Biologen.





