Testkind Selim
«Der Thunfisch ist ja eine Fee!»
Beim diesjährigen Weihnachtsmärchen im Stadttheater darf Testkind Selim nicht fehlen. Der 6-Jährige lernt in «Pinocchio», dass Gespenster Tatzen haben und Walfische husten.
Selim war noch nie zuvor im Stadttheater. Der Junge klebt vor Spannung geradezu an seinem Sitz. «Die Leute sollen jetzt endlich still sein und sich hinsetzen», brummt er. Der Vorhang öffnet sich zum diesjährigen Weihnachtsmärchen, «Pinocchio», mit Andri Schenardi in der Hauptrolle, inszeniert von Ingrid Gündisch.
Handlung
Der mittellose Gepetto schnitzt aus einem Stück Holz eine Marionette. Die Puppe kann sprechen und denken wie ein Menschenkind. Pinocchio, wie Gepetto die Puppe nennt, ist aber frech und widerspenstig. Anstatt zur Schule geht er auf Abenteuerfahrt ... Doch um ein richtiger Menschenjunge zu werden, wie er es sich wünscht, muss Pinocchio erst eine wichtige Lektion lernen.
Die Erzählung von Carlo Collodi ist jedem Kind geläufig. Glücklicherweise kennt unser Testkind die Disney-Ver-sion der Geschichte nicht und kann das Stück ohne Verwirrung geniessen.
Inszenierung
Der Bub staunt, als sich die Bühne zu drehen beginnt. Mit Licht und Perspektivenwechsel erweckt das Team des Stadttheaters alle Orte der Geschichte zum Leben. Allerliebste Nebenfiguren wie ein philosophierender Fisch und ein Holzwurm mit Schwimmflügeln lockern die doch sehr moralisierende Geschichte von Pinocchio angenehm auf.
Spassfaktor
«Der Thunfisch ist ja eine Fee», wispert Selim im Verschwörerton, als er bemerkt, dass eine Schauspielerin (Milva Stark) sowohl die Blaue Fee als auch den Thunfisch verkörpert. Die Aufführung erfüllt Selim mit Ehrfurcht. Das Gekicher der anderen Kinder quittiert er mit einem Stirnrunzeln. «Psst jetzt», macht er, ganz in die Geschichte vertieft. Nur bei der rasanten Gespensterjagd lacht auch er lauthals mit.
Die Pause ist für Selim beinahe unerträglich. «Wann geht es weiter?», will er wissen. Er ist sichtlich begeistert von der Aufführung. Als schliesslich nach zwei Stunden der letzte Vorhang fällt, applaudiert der Bub euphorisch. «Mir tun die Hände weh vom Klatschen», verrät er nach der sechsten Verbeugung der Schauspieler auf der Bühne. Sprichts und klatscht noch mehr.
Katharina Bornhauser
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