Rundgang durch die Berner Galerien
Galerie Beatrice Brunner
Beatrice präsentiert Béatrice: Die Galeristin Beatrice Brunner zeigt zurzeit das mehrdeutige Werk von Béatrice Gysin. Objekte aus Alabaster und Glas setzen sich mit dem Werden und Vergehen in der Natur auseinander und evozieren mal geschmolzenen Schnee, mal brüchiges Eis.
Zurzeit sieht es in der Galerie Beatrice Brunner ein wenig aus wie in einem naturwissenschaftlichen Forschungslabor. Pflanzensamen unter einer Glasglocke und Objekte aus Alabaster, die mal aussehen wie geschmolzener Schnee, mal wie eine kleine, unter Schnee bergrabene Tanne, liegen auf einem Tisch. An den Wänden hängen in einem Edeldruckverfahren hergestellte Fotografien, sogenannte Heliogravuren, mit regelmässig angeordneten Knäueln, die wie unbekannte Organismen unter dem Mikroskops wirken. Es sind Haarknäuel.
Die Künstlerin Béatrice Gysin, die 1947 in Zürich geboren wurde und in Biel lebt, hat die Haare jeden Morgen aus ihrer Bürste entnommen. Sie hat sie gesammelt, zu Bällchen geformt und angeordnet. So wurde aus etwas sehr Alltäglichem etwas Faszinierendes und seltsam Fremdes. Für Gysin sind ihre Arbeiten eigentlich Stills, also so etwas wie Destillate aus ihrem ureigenen Bildkosmos.
Bei den Alabasterobjekten beispielsweise gehe es ihr um das Paradoxon, etwas zu konservieren, was man eigentlich nicht konservieren könne. Wer wisse schon, wie lange es Schnee und Eis noch geben werde, erklärt die Künstlerin, in deren Positionen stets auch pazifistisches und ökologisches Engagement mitschwingt. Zerbrochene Glasscheiben, die aussehen wie Eisstücke, thematisieren die Brüchigkeit einer aus dem Gleichgewicht geratenen Natur.
Eigene Handschrift
«Meine Arbeiten sind Netzwerke, die mehrdeutig sind», erklärt sie. Am Anfang stünde immer die Zeichnung, die nach wie vor ihr wichtigstes Medium sei. Wenn sie zeichnet, ist das ein langwieriger Prozess. Strich um Strich entstehen «Landschaften», die mal an Holzmaserungen, mal an Wasseroberflächen oder Fingerabdrücke denken lassen. Beatrice Brunner, die ihre Galerie 2004 eröffnete, mag Künstler und Künstlerinnen, die eine eigene Handschrift haben, und Kunst, die einen sowohl auf der Kopf- wie auch auf der Bauchebene anspricht. Auf Béatrices Gysins Werk trifft beides zu.
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