Plädoyer
fürs Lernen
Man hat nie ausgelernt. Das weiss jeder, das wissen die vom Lernfestival. (Sie wollen uns während 24 Stunden das Lernen schmackhaft machen.) Auch mir wurde die Weisheit gewahr, als ich in den letzten Wochen über den Büchern brütete: Es will einfach nicht aufhören, das Lernen.
Jetzt behaupten Sie wieder, lernen sei gut! Doch: Bibliothek-Halluzina-tionen, Bücherphobie, Bildungskoller, die drei B des Lernens, machen einem das Leben zur Hölle. Wer seine Freunde mit Details aus abgedrehten Büchern zutextet, bis sie abrupt das Thema, die Strassenseite oder den Freundeskreis wechseln, der weiss: Lernen wirft dunkle Schatten, nicht nur unter die Augen, sondern auch auf die Seele. Da fragt man sich, wollen die Lernfestivalveranstalter die Gesellschaft an die Wand fahren mit ihrer Huldigung des Lehrbetriebs? Lernen ist ein Fetisch, und darauf soll stehen, wer will.
Dieser Tage befinde ich mich unter der Knute der Geschichte unseres Landes. Ein hartes Unterfangen. Am Feierabend ist Zweiter Weltkrieg, am Wochenende Kalter Krieg und am Morgen schlägt als Erstes die Genderproblematik zu. Und doch (oder gerade deshalb?) muss ich gestehen: Lernen macht Spass. Wenn man mal von der Oberfläche etwas in die Tiefen der Themen vordringt, sieht man Dinge, die wirklich interessant sind. Oder witzig: Wussten Sie, dass der Chef der Ernährungskommission während des Zweiten Weltkriegs Albert Fleisch hiess? Er musste wegen der Nahrungsmittelknappheit dafür sorgen, dass weniger Fleisch gegessen wurde, dafür mehr Gemüse. Durchaus mit Erfolg.
Nein, ich werde Sie jetzt nicht langweilen mit längst Vergangenem. Nur so viel ist wichtig: Aus unmittelbarer Erfahrung kann ich es bestätigen. Lernen ist trotz Augenringen gut. Lernen macht trotz Bildungskoller neugierig, Freude und klug. Lernen bringt das Hirn in Schwung, und wenn einen halt die Freunde verlassen haben, bleibt immerhin noch das Wissen. Geben Sie sich einen Tritt, lernen Sie – gut dosiert zu lernen!
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