Plädoyer
für Weihnachtswünsche
Ich habe daraus gelernt. «Was wünschst du dir zu Weihnachten?» ist eine Frage, die ich heute gerne stelle und gerne beantworte. Im ersten Fall verschenke ich das Richtige. Im zweiten Fall bekomme ich das, was ich mir wünsche.
Nicht, dass Sie jetzt denken, dass Geschenkemachen für mich nur eine Pflichtübung sei. Schenken ist im Kern eine schöne Sache, hat der Begriff doch seinen Ursprung im «Einschenken», also im Bewirten von Gästen. Und eine Einladung zu einem guten Essen ist ein grossartiges Geschenk. Für Geburtstage. Aber leider nicht für Weihnachten. Da wird jedes zusätzliche Essen zur Qual.
Der Verzicht auf Weihnachtsgeschenke löst das Problem auch nicht. Zwar ist Schenken im Prinzip eine selbstlose Handlung und sollte ohne Anspruch auf Gegenleistung getan werden. Doch Hand aufs Herz, nur wenn die Gaben vom Weihnachtsmann höchstpersönlich kommen, fühlt man sich frei von Verpflichtungen. Doch verschwindet der Glaube an den Mann, der mit Schlitten und Rentieren die Kamine füllt, zur gleichen Zeit wie der Wunsch nach einem aufblasbaren Krokodil.
Ab und zu wünsche ich mir immer noch Dinge. Und Sie tun das bestimmt auch. Glauben Sie wirklich, dass ihre Liebsten immer wissen, was das sein könnte? Fassen Sie sich ein Herz und beantworten Sie die Frage nach ihren Weihnachswünschen. Sollten Sie den Mut dazu in diesem Jahr noch nicht finden, vergessen Sie die Regel, dass Geschenke nicht weiterverschenkt werden sollen. Seit 15 Jahren führen die Schweizerische Post, das Schweizerische Rote Kreuz und die SRG die Aktion «2x Weihnachten» durch. Eine feine Sache. Für den Fall, dass Sie nicht so selbstlos handeln möchten, findet am Stephanstag im Bad Bonn in Düdingen die Geschenktauschbörse «Tante Trudi hat sich trumpiert» statt. Sollten Sie dort auf ein aufblasbares Krokodil stossen, geben Sie mir bitte Bescheid. Ich biete im Tausch ein verstaubtes Origamifaltbuch.
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