Plädoyer
für das Alpine Museum
Wenn ich bei klarem Wetter frühmorgens aufstehe und mein Blick durchs Fenster in die Ferne schweift, bin ich jedes Mal zutiefst beeindruckt von der Schönheit der aufragenden Alpenkette vor mir. Ich gebe zu, die Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau löst bei mir direkt Heimat- und Glücksgefühle aus. Dass das Alpine Museum Ende September für voraussichtlich ein halbes Jahr seine Pforten zwecks Umbaus schliesst, lässt meinen Herzschlag etwas weniger stark in die Höhe schnellen. Gespannt hingegen bin ich auf die neue Raumdisposition und das hauseigene Restaurant, das ab Frühling 2012 seine Gäste mit typischer Schweizer Alpenkost bewirten wird. Die seit 20 Jahren unveränderte Dauerausstellung, in der ich einmal als Teenager war, wird ebenfalls verschwinden.
Ein durchaus angenehmer Nebeneffekt ist, dass das alte Ausstellungsmobiliar an Privatpersonen verkauft wird. Beim Rampenverkauf möchte ich ein paar schicke Bilderrahmen erwerben. Ausserdem werde ich die Gelegenheit nutzen, mir beim zweiten und letzten Gang durch das «Schweizerische Alpine Museum» –
das übrigens bald den modifizierten Namen «Alpines Museum der Schweiz» tragen wird – nochmals die alte Ausstellung anzuschauen, diese Schweiz en miniature in den detailgetreuen Reliefs.
Ich freue mich aber besonders darauf, mir vorzustellen, wie im Frühling die erste Sonderausstellung, «Intensivstationen» des Tiroler Künstlers Lois Hechenblaikner, das Museum wohl von innen heraus verändern wird. Jenseits jeglicher Gipfelromantik und frischer Luft wird der Österreicher das Alpenreich als computergesteuerte Massenfreizeitmaschinerie zeigen. Genau dieser Gegenwartsbezug soll in Zukunft hier den Ton angeben. Der neue Direktor Beat Hächler will aus dem stattlichen Museum am Helvetiaplatz eine interaktive Plattform machen. Es soll nicht mehr um eine rein naturwissenschaftliche und geografische Auslegung der Alpenregion gehen, sondern darum, die Besucher auch einzubinden. Aktuelle Themen wie Ökologie und Tourismus sollen ins Zentrum gerückt, künstlerisch inszeniert und kritisch hinterfragt werden. Ich bin froh, dass auch ich bald meinen verklärten Blick auf die geliebten Viertausender schärfen kann.
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