Klartext
zur Vereinsfinanzierung
Sparen mit Nebeneffekt
Die Gemeinde Ostermundigen muss sparen. Deshalb wurden u.a. den Vereinen die regelmässigen Beiträge gestrichen. Das führte zu einem Aufschrei. Wie geht es jetzt weiter? Die Kultur-agenda hat bei Gemeinderat Andreas Thomann (SP) nachgefragt, der auch Präsident der Kulturkommission Ostermundigen ist.
Herr Thomann, die Streichung der regelmässigen Beiträge an die Vereine hat Wellen geschlagen. War das unbeabsichtigt oder wollte man mit einem «Schuss vor den Bug» ein Zeichen setzen?
Ich denke schon, dass diese Auswirkungen des Beschlusses nicht allen bewusst waren. Die Kürzungen im diesjährigen Budget wurden vom
Grossen Gemeinderat (GGR) letztes Jahr bestimmt. Ich bin erst seit diesem Jahr Gemeinderat und musste schauen, dass ich den Vereinen, denen es «as Läbige» geht, helfen kann. Mit einigen haben wir Zwischenlösungen gefunden. Ausserdem habe ich auf Ende Jahr ein Treffen aller Vereinspräsidenten veranlasst, unter anderem, um die Finanzen zu besprechen.
Der Gemeinde sind die Vereine also schon wichtig?
Ja, selbstverständlich. Und für mich natürlich speziell, ich bin ja für sie zuständig. Natürlich kann und muss man auch bei den Vereinen sparen, aber ich persönlich glaube, das geht auch geschickter als mit der letztjährigen Hauruckmethode.
Weshalb muss Ostermundigen sparen?
Die Sparmassnahmen des Kantons haben einen Teil der Kosten auf die Gemeinden überwälzt, und wir sind eher steuerschwach. Das versuchen wir zwar zu ändern, aber das geht nicht von heute auf morgen. Zudem flossen Millionenbeträge in die Sanierung der Schulhäuser. Die ist abgeschlossen, aber jetzt kommen die zwölf Kindergärten dazu, die teils in desolatem Zustand sind.
Welchen Betrag hat die Gemeinde bei den Vereinen denn eingespart?
Es sind in etwa 39 000 Franken. (Das Gesamtbudget der Gemeinde liegt bei 93 Millionen, Anm. d. Red.)
Zusätzlich gibt es noch die Kulturkommission. Hat sie ein unabhängiges Budget?
Nein. Sie befindet über die verschiedenen Konti, die vom GGR beim Budget abgesegnet werden. Gestrichen wurden u.a. die regelmässigen Vereinsbeiträge. Für diese gab es einen Verteilschlüssel, der verschiedene Faktoren berücksichtigte. Doch die derzeitige Situation könnte sich wieder ändern. Inzwischen gibt es nämlich einen Vorstoss, die Streichung der Vereinsbeiträge wieder rückgängig zu machen. Ich nehme an, man hat realisiert, dass man etwas übers Ziel hinausgeschossen ist.
Aber am grundsätzlichen Problem ändert sich ja nichts: Ostermundigen muss sparen. Wird man neu ein Gesuchswesen einführen, statt automatisch Beiträge zu bezahlen?
Ich habe schon Ideen, wie man die Unterstützung gestalten könnte, aber die Reglemente kann ich erst angehen, wenn der Grosse Gemeinderat über die Motion entschieden hat. Bisher hat beispielsweise jeder Verein einen Minimalbeitrag von 280 Franken im Jahr erhalten. Wegen des Wegfalls dieses Betrages stirbt kein Verein. Ich denke schon, dass man die Geldvergabe verbessern kann, aber man muss auch signalisieren, dass man mit den Vereinen zusammenarbeiten will! Sie sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in unserer Gemeinde.
Interview: Silvano Cerutti
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