Klartext
zur KulturLegi
Frau Burkhalter, wie geht es der KulturLegi?
Letztes Jahr waren knapp 3800 KulturLegis im Umlauf, gegenüber 2010 ist das eine Zunahme von fast 200 Nutzerinnen und Nutzern.
Mit der KulturLegi kommen Leute am Existenzminimum verbilligt in die Kulturhäuser, zum Sport und in die Weiterbildung. Welche Vorteile haben auf der anderen Seite die Kulturveranstalter?
Wir gehen davon aus, dass man dank des Rabatts neue Kunden erreichen kann. Die Angebote werden von Leuten genutzt, die sich das sonst nicht leisten könnten. Auch viele Studierende nutzen das Angebot, und die sind für viele Anbieter gute potenzielle Neukunden.
Was sind die Kriterien für die Veranstalter?
Dass für Kartenbesitzer alle Angebote mindestens 30 Prozent ermässigt werden müssen. Ein Konzertveranstalter kann nicht nur bei schlecht laufenden Konzerten den Rabatt gewähren. Wenn wir das akzeptieren würden, wären wir sowas wie eine Espace-Karte.
Weshalb braucht es die KulturLegi? Ist unsere Freizeit so teuer geworden?
Ich würde nicht sagen, die Angebote seien generell zu teuer. Mit einem kleinen Einkommen vermag man sie sich einfach nicht zu leisten. Die Idee der Kulturlegi ist, dass man durch die Armut nicht ausgegrenzt wird.
Sollen die armen Städter mit der KulturLegi dazu gebracht werden, mit ihrer Freizeit etwas Sinnvolles anzufangen?
Es gibt keine pädagogische Absicht. Es geht darum, Möglichkeiten für die Freizeit zu schaffen. Es ist auch nicht nur ein städtisches Angebot, wir wollen es flächendeckend ausweiten. Wenn die Städte und Gemeinden sich in ihren Leitbildern schreiben, sie seien bestrebt, ihre ganze Bevölkerung ins gesellschaftliche Leben zu integrieren, dann haben wir ein gutes Mittel dafür.
Die Caritas bietet nicht nur die KulturLegi an, sondern auch billiges Einkaufen im Caritas-Laden. Leistet man damit nicht indirekt einer Entwicklung zu mehr schlecht bezahlten Jobs Vorschub?
Ich kann Ihrer Logik nicht folgen.
Wenn es karitative Auffangangebote für wenig Verdienende gibt, muss sich die Gesellschaft weniger heftig gegen zu tiefe Löhne wehren. Worauf die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter aufgeht.
Hier stellt sich die Frage vom Huhn und dem Ei. Es ist eine Tatsache, dass in der Schweiz eine zunehmende Anzahl von Menschen mit weniger Geld auskommen muss. In den letzten Jahren hat man begonnen, darauf zu reagieren. Ich denke nicht, dass wir diese Tendenz durch die Auffangangebote unterstützen.
Aber es ist doch auch eine Frage der Gewichtung von Symptombekämpfung auf der einen und Strukturveränderung auf der anderen Seite. Reine Pflästerlipolitik bringt doch nichts.
Es braucht beides. Die Caritas hat sich auf die Fahne geschrieben, das Thema Armut immer wieder sichtbar zu machen. Aktuell mit der Kampagne zum Jahresthema Kinderarmut. Die Caritas arbeitet auch auf der strukturellen Ebene – nur gleichen da die Bemühungen manchmal einer Sisyphusarbeit.
Interview: Michael Feller
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