Klartext
zum neuen «Kapitel»
Diego Dahinden
Zusammen mit den ehemaligen Formbar-Betreibern Fausto De Siena und Tom Weingart eröffnet Diego Dahinden am Bollwerk das neue Lokal «Kapitel». Dahinden ist bisher als Veranstalter von Partys unter anderem im Dachstock in Erscheinung getreten.
Die Vorgängerlokale des «Kapitel» hatten jeweils einen kurzen Atem. Kann man an dieser Lage zwischen Drogenanlaufstelle und Schützenmatte überhaupt ein Lokal betreiben?
Unsere Vorgänger waren sicher keine schlechten Gastronomen, vielleicht hatten sie aber ihr Konzept am falschen Ort probiert. Vor allem am Abend muss man am Bollwerk ein Publikum ansprechen, das sich gerne in einer urbanen Umgebung aufhält. Nicht ein reines Esspublikum, sondern ein Bar- und Ausgehpublikum.
Die Gegend hat ein schlechtes Image.
Wir wollen diesen Stadtteil aufwerten. Dabei sind wir auch auf die Unterstützung der Behörden angewiesen, was die Überzeitbewilligung betrifft. Auf diese warten wir noch.
Wie soll das Angebot im «Kapitel» aussehen?
Der Name ist Programm. Unser Lokal hat verschiedene Kapitel: Am Mittag sind wir ein Restaurant mit saisonaler und regionaler Küche. Am Abend eine Lounge-Bar mit Häppchen-Karte. Und am Wochenende darf bei uns regelmässig getanzt werden.
Trotz des vielgenannten «Clubsterbens» gibt es also ein neues Angebot. Das ist erfreulich.
Klar, die Medien heben diesen Aspekt hervor, weil die Berner Clubkultur ein wichtiges Thema ist. Aber: Wir sind vor allem ein Restaurant und eine Bar.
Wie werden Sie das kulturelle Angebot ausrichten?
Wir kommen von der elektronischen Tanzmusik her, und die wird bei uns eine wichtige Rolle spielen. Zudem wollen wir der Berner Kultur eine Plattform bieten. Beispielsweise für «Bern für den Film» oder mit dem monatlichen Gay-Event «Seite 69». Mit der Serie «Amuse-Bouge» verbinden wir zwei unserer Kapitel – Essen und Tanzen.
Welche Gäste wollen Sie ansprechen?
Unser Zielpublikum sind alte Junge und junge Alte. Wir werden uns an ein erwachsenes Publikum richten. Es wird also eine Altersbegrenzung geben.
In Bern haben Betreiber von Clubs immer wieder Lärmprobleme. Wie gehen Sie damit um?
Wenn es eines Tages das von vielen Seiten geforderte «Ausgeh-Konzept» für die Stadt Bern geben wird, sollte das Bollwerk zu den erklärten «Ausgehzonen» gehören, davon gehen wir aus. Das Bollwerk liegt an der meistbefahrenen Strasse der Stadt, 300 Meter weiter ist der Hauptbahnhof. An diesem Ort sollte das Nachtleben möglich sein. Aber uns ist klar: Die Anwohner haben ihren Schlaf verdient, keine Frage, und wir werden versuchen, den Lärm aufs Minimum zu beschränken.
Das tönt sehr diplomatisch. Aber als Clubbetreiber ist es heute nicht ganz einfach in Bern. Wie haben Sie die Diskussion mitverfolgt?
Ich finde es gut, dass die Sache diskutiert wird. Es ist zurzeit nicht einfach für Clubbetreiber, eine Betriebssicherheit zu haben. Ein oder zwei Anwohner können in Bern die Auflösung eines Geschäfts bewirken. Es ist zunehmend schwierig, in diesem politischen Umfeld innovativ zu sein.
Interview: Michael Feller
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