Klartext
zum Frauenkunstpreis
Frauenkunstpreis
Wer finanziert die Berner Kultur mit? Nachdem wir in der letzten Ausgabe Georg Pulver zum kulturellen Engagement der Burgergemeinde befragt haben, rücken wir eine der vielen kleineren Stiftungen in den Fokus: den Frauenkunstpreis.
Der in Köniz wohnende Matthias Jungck hat den mit 10 000 Franken dotierten Preis 2001 gestiftet. Dieses Jahr wird der Preis zum 10. Mal verliehen.
Warum haben Sie den Frauenkunstpreis gestiftet?
Ich sah einmal im Kunstmuseum Bern eine Ausstellung über Künstlerpaare. Und ich fand: Das ist ja wahnsinnig, wie unbekannt die Künstlerinnen sind – im Gegensatz zu den Männern. Also wollte ich etwas extra für Künstlerinnen machen. Ich hatte Geld geerbt und entschied mich, damit den Frauenkunstpreis zu finanzieren.
Die Frauen haben also nach wie vor einen schweren Stand in der Kunst?
Ja. Frauen haben allgemein einen schweren Stand.
Woran liegt das?
Früher waren die Künstler ausschliesslich männliche Schöpfer. Die haben geschöpft und gemacht, und die Frauen konnten höchstens Modell stehen. Frauen war der Künstlerberuf lange verwehrt.
Aber das hat sich doch mittlerweile geändert.
Unser Bild vom männlichen Künstler hat sich bis heute gehalten. Ausserdem kommt für Frauen erschwerend dazu, dass sie oft eine Doppelbelastung mit der Familie haben.
Wer kann den Preis gewinnen?
Ursprünglich konnten sich Künstlerinnen mit Arbeitsplatz im Kanton Bern bewerben. Nun haben wir das Gebiet erweitert. Es können auch Frauen aus Solothurn, Neuenburg, aus der Waadt, aus Freiburg, aus dem Jura und dem Wallis einreichen. Wir finden, das sei ein gutes Zeichen gegenüber den Romands.
Geht es denn auch darum, weibliche Positionen in der Kunst zu fördern, wie auch immer die aussehen mögen?
Nein, es geht rein um die Kunst. Um bildende Kunst und Performances.
Verstehen Sie den Preis als Förderbeitrag oder Anerkennungspreis?
Eher als Förderbeitrag. Der Frauenkunstpreis ist nicht nur für junge Künstlerinnen gedacht. Auch Frauen, die den künstlerischen Wiedereinstieg schaffen wollen, können sich bewerben. Etwa, nachdem sie kinderbedingt eine Unterbrechung gemacht haben.
Kann man auch Projekte eingeben?
Ja, dann erhält die Preisträgerin vorerst die Hälfte des Preisgeldes. Wenn das Projekt umgesetzt ist, folgt die zweite Hälfte.
Wer wählt die Gewinnerinnen aus?
Es gibt eine Jury von fünf Frauen, die dem Stiftungsrat die Gewinnerin vorschlägt.
In den ersten Jahren vergaben Sie diesen Preis jährlich. Dann folgte ein Unterbruch. Weshalb?
Wir können den Preis wegen der Finanzkrise nur noch alle zwei Jahre vergeben. Wir haben an der Börse sehr viel Geld verloren. Zunächst hatten wir alles in Aktien investiert. Heute diversifizieren wir besser mit Aktien und Obligationen.
Dieses Jahr wird der 10. Frauenkunstpreis vergeben. Wird das gefeiert?
Wir haben alle bisherigen Gewinnerinnen eingeladen, ihre Werke im Kunstmuseum Thun auszustellen. Ihre Arbeiten wird man im Herbst sehen können – zusammen mit der Kunst der diesjährigen Gewinnerin. Kuratiert wird die Ausstellung von Helen Hirsch.
Interview: Michael Feller
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