Klartext
Was hat Design mit Kunst zu tun?
Zur Person
Klaus F. Pressmann ist Leiter der Ausstellungen an der Schule für Gestaltung Bern und Biel und Mitglied des Stiftungsrates der bernischen Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung.
Haben wir vom Design noch nicht genug? Gibt es noch Orte, wo kein Design stattfindet? Sind wir nicht bald des Designs müde? Mitten im Winterhalbjahr blicken wir bereits auf eine lange Reihe von Designevents zurück. Angefangen hat es im Spätsommer. Wir eilten von Vernissage zu Vernissage und von Meeting zu Meeting.
Reicht da noch die Kondition? Ja sicher. Denn beim Durchpflügen ungestalteter und unwirtlicher Territorien regenerieren sich wegen der Sucht nach guter Gestaltung ständig unsere Kräfte. Wonach sind wir denn süchtig? Früher waren es die drei Sparten Malerei, Plastik und Architektur, nach denen man strebte. Die Plastik, eine Domäne historistisch orientierter Epochen, hat nun ausgedient. Das Design, weil normalerweise dreidimensional wahrgenommen, hat diese Position besetzt und passt nun ins Dreierpaket der Bildenden Künste.
Wie lässt sich Design einordnen? Design ist nicht freie Kunst, gehört aber dazu. Denn die Art und Weise, wie wir mit Design umgehen und es wahrnehmen, und was Design bewirkt, bestätigt: Es ist ein Wirtschaftsfaktor, es generiert Ausbildungsangebote, Begehrlichkeiten und funktioniert nach denselben Spielregeln, wie sie in der freien Kunst gelten.
Im weiteren bestimmen Hunderte von Voraussetzungen und Vorschriften den Entwicklungsprozess beim Design, bis endlich das konsumierbare Resultat zur Verfügung steht. Anerkennung und Dank gilt jenen Gestalterinnen und Gestaltern, die sich dennoch unentwegt bemühen, uns ein gutes Ding zu präsentieren. Der Aktionsraum Design ist naturgemäss riesig, hin- und herpendelnd zwischen freier Kunst und Massenproduktion. Die Theoretiker sind sich seit Langem einig: Design ist überall und zuweilen auch unsichtbar.
In diesem grossen und wenig übersichtlichen Feld bewegen sich einige professionell arbeitende Gestalterinnen und Gestalter, die sehr engagiert das schaffen, was als Kunsthandwerk bezeichnet wird. Ihre Fertigungen liegen auf der Schnittstelle zwischen einer der freien Kunst verpflichteten Einmaligkeit und einem der Industrie nahestehenden Produktdesign. Wir begegnen dem Unikat und der Kleinserie.
Immer aber ist die künstlerische Qualität der Autorinnen und Autoren präsent und deren Verantwortung gegenüber dem Material wahrnehmbar. Die grossartige Kreativität der Gestalterinnen und der Gestalter führt beispielsweise zu differenziert eingesetzter Farbgebung. Das Suchen nach interessanten Strukturen bei Oberflächen, das Einbeziehen beständiger Naturmaterialien machen eine innovative, gleichzeitig aber auch funktionale Formgebung möglich. Das sind aber noch nicht alle aussergewöhnlichen Eigenschaften eines Objektes. Besondere Gegenstände üben eine weitere Faszination aus, deren Ursprung im Irrationalen liegt, in der Magie des Objektes.
Design – Kunsthandwerk – freie Kunst: Das Kunsthandwerk ist die Schnittstelle.
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