Klartext
über dünn gesäte Vereinsvorstände
Ueli Thomet
Der Gümliger Ueli Thomet ist Gründungsmitglied, Ehrenpräsident und heute Vizepräsident des Kulturvereins Muri-Gümligen. Der engagierte 67-Jährige führte vor seiner Pensionierung ein Einrichtungsgeschäft. Im Gespräch spricht er über die Schwierigkeit, ehrenamtliche Vorstände für seinen Verein zu finden.
Sie haben grosse Mühe, abtretende Vereinsvorstände zu ersetzen. Woran liegt das?
Vielleicht liegt es an der heutigen Arbeitswelt, an Stress und Unsicherheit am Arbeitsplatz, am Umfeld ganz allgemein. Es könnte daran liegen, dass man in der spärlichen Freizeit lieber konsumiert als sich engagiert. Wir haben erst seit wenigen Jahren so grosse Schwierigkeiten, die Lücken zu füllen.
Was macht der Kulturverein Muri-Gümligen genau?
Wir organisieren Anlässe wie Führungen, Theater, Lesungen, Besichtigungen, Konzerte, um nur einige zu nennen. Wegen der Nähe zum grossen Berner Angebot sind wir immer auf der Suche nach Nischen. Das ist sehr spannend, und wir wollen uns damit auch abheben. So hatten wir im März eine Führung durch das Berner Kriminalmuseum, ein nicht-öffentliches Museum. Das war eine einmalige Gelegenheit, hinter die Kulissen kriminalpolizeilicher Arbeit zu blicken.
Als kulturell interessierter Muriger oder Gümliger besuche ich doch Veranstaltungen in der Stadt. Warum sollte ich mich denn noch im Dorf für die Kultur engagieren?
Bei uns kann man eigene Ideen einbringen, Projekte umsetzen, etwas auf die Beine stellen. Die Befriedigung, wenn ein eigener Anlass über die Bühne geht, ist sehr gross. Man muss dazu schon etwas Zeit aufwenden, lernt dafür aber viele spannende Menschen kennen und kann etwas bewegen. Mir bringt die Arbeit im Kulturverein sehr viel, sie ist für mich eine Horizonterweiterung. Man darf auch nicht vergessen, dass das Vereinsleben für den gemeinschaftlichen Zusammenhalt im Dorf von grösster Wichtigkeit ist.
Was muss man mitbringen, um in Ihrem Verein mitwirken zu können?
Freude an der Kultur allgemein und Freude am Kontakt und an Begegnungen mit anderen Menschen. Viele haben die Vorstellung, dass man dazu übermenschliche Begabungen braucht, aber dem ist überhaupt nicht so. Wir führen unsere neuen Vorstandsmitglieder sachte in die Materie ein und werfen niemanden ins kalte Wasser. Wir legen Wert auf ein längerfristiges Engagement. Auch auswärtige kulturinteressierte Personen sind bei uns sehr willkommen.
Sie setzen alle Hebel in Bewegung für den Verein. Was passiert, wenn das alles nichts nützt?
Wenn wir bis Ende Jahr keine neuen Vorstände finden, sind wir 2013 noch zu dritt – dann müssen wir den Verein auflösen, was weit mehr als bedauerlich wäre.
Interview: Michael Feller
www.kulturverein-muri.ch oder
e_u.thomet@muri-be.ch
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