Klartext
über die Plakatierung in Bern
Stadt Bern kündigt neue Plakatstellen an
Das wilde Plakatieren ist in Bern des Ordnungsliebenden Leid und des Kulturveranstalters Freud – denn damit ist günstige Werbung möglich. Eine Ursache der ungeregelten Kleberei ist die zu geringe Anzahl von legalen Stellen für Kleinplakate. Dem will die Stadt nun mit zusätzlichen 70 Flächen (total 120) Abhilfe schaffen. Ist die Wildplakatiererei jetzt Geschichte? Wir haben bei der Promotionsfirma Passive Attack nachgefragt, die in Bern die meisten Kleinplakate aufhängt.
Herr Jundt, Passive Attack hat vor drei Jahren 160 Standorte für Kleinplakate gefordert, nun hat der Gemeinderat 70 neue Plakatstellen angekündigt. Genügt das?
Das können wir noch nicht beurteilen, weil wir noch nicht wissen, wie gross die neuen Plakatierungsflächen sind. Die andere Frage, die sich uns stellt: Wie ist die Qualität der Standorte? Flächen zwischen Bahnhof und Bärengraben sind für uns wichtiger als Wände in Bümpliz. Auch hier müssen wir abwarten, wo die Stadt die neuen Stellen eingeplant hat, bevor wir die Situation beurteilen.
Gab es eine Kooperation zwischen der Stadt und Ihnen, was die neuen Plakatflächen betrifft?
Die Stadt hat wohl teilweise unsere Vorschläge von 2009 aufgenommen. Wobei: Wir gingen von der bestehenden Infrastruktur aus; die Stadt hat nun zusätzliche Kultursäulen angekündigt. Wir denken, dass es in die richtige Richtung geht. Ob die 70 Standorte unserem Bedürfnis oder besser gesagt dem Bedürfnis der Berner Kulturveranstalter entsprechen, wird sich zeigen.
Mangels genügender Standorte wichen Sie bis anhin auf illegale Plakatierung aus. Geht das so weiter, obwohl die Stadt nun zusätzliche Standorte schafft?
Wir sind durchaus an einer Verbesserung des momentanen Zustands interessiert. Die Schaffung von legalem Raum für Kleinplakatierung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ob jetzt das Problem des Wildplakatierens gelöst sein wird, ist eine andere Diskussion.
Es geht doch genau darum! Deshalb hat die Stadt neue Kleinplakatstellen geschaffen.
Klar, das ist die Idee dahinter. Es ist aber einfach so: Nehmen wir an, wir würden uns mit diesen Stellen begnügen und auf wildes Plakatieren verzichten. Das Wildplakatieren würde dabei wohl nur unwesentlich zurückgehen, weil andere Plakatierer die attraktiven Standorte weiter nutzen würden. Das Wildplakatieren wird es immer geben.
Wie beurteilen Sie die politische Situation heute?
Im Gegensatz zu Zürich und Basel herrscht in Bern eine liberale Politik, weil nur gebüsst werden kann, wer in flagranti beim Aufhängen erwischt wird. Die liberale Politik hat übrigens dazu beigetragen, dass in Bern eine lebendige Plakatszene entstanden ist und viele qualitativ gute Sujets hängen.
Müssen Sie jetzt nicht mit einem repressiveren Vorgehen der Behörden rechnen?
Wir sind der Ansicht, dass eine Kleinplakatszene Ausdruck einer lebendigen Kulturstadt ist. Wir sind permanent in Kontakt mit den zuständigen Stellen der Stadt. Wir werden weiterhin mit der Stadt den Dialog und Lösungen suchen. Es ist für uns sehr positiv, dass die Stadt den Handlungsbedarf erkannt hat. Wir sind an einer einvernehmlichen Lösung interessiert.
Interview: Michael Feller
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