Klartext
über die Migros-Kulturprozent-Classics
Kulturprozent Classics
Wer finanziert die Kultur und worin liegt die Motivation? Im Rahmen unserer Interviewserie haben wir bei Mischa Damev nachgefragt. Seit fünf Jahren ist er Intendant der Migros-Kulturprozent-Classics. Er organisiert Konzerttourneen durch die Schweiz und wirkt bei der Vergabe von Förderbeiträgen mit. Ein Gespräch über Talente, verkannte Eliten und elitäre Klassik.
www.migros-kulturprozent-classics.ch
Nächstes Konzert
Philharmonia Orchestra London.
Mit Philippe Jordan (Leitung) und Oliver Schnyder (Klavier).
Werke von Weber, Beethoven, Brahms.
Kultur-Casino, Bern. Di., 8.5., 19.30 Uhr
Klassische Musik zu moderaten Preisen für alle. Was ist von der Idee des Migros-Gründers Gottlieb Duttweiler geblieben?
Mittlerweile mag der eine oder andere unsere Preise nicht mehr als ganz so moderat empfinden, aber im Vergleich zu anderen Konzertveranstaltern sind wir nach wie vor günstig. Wir wollen mit attraktiven Preisen ein breites Publikum ansprechen und hervorragende Musik aus der ganzen Welt spielen.
Seit Sie Intendant sind, laufen die damaligen Klubhaus-Konzerte unter dem Label Migros-Kulturprozent-Classics. Was hat geändert?
Wir bringen weltbekannte Orchester aus dem Ausland, von China bis Nordamerika, in die Schweiz. Dazu präsentieren wir jeweils eine Schweizer Musikerin oder einen Schweizer Musiker – entweder Komponisten oder Solisten. Es ist meine Devise, zu zeigen, was für hervorragende Musiker die Schweiz zu bieten hat. Da haben wir in der Schweiz grossen Nachholbedarf.
Warum?
Es ist nicht sehr modern, das so zu sagen. Aber es geht auch ein wenig um den Stolz. Man darf stolz sein auf hervorragende Musiker, wie man stolz sein darf auf siegreiche Sportler. In der Schweiz gibt es viele Spitzenmusiker, aber sie erhalten zu wenig Wertschätzung in der Gesellschaft. Dem möchten wir Gegensteuer geben.
Weshalb werden die Musiker unterschätzt?
Wahrscheinlich ist es ein gesellschaftliches Problem. In der Klassik und dem Jazz, also dort, wo es um technisch anspruchsvolle Musik geht, scheint man dem musikalischen Handwerk zu misstrauen. Wir scheinen Schweizerinnen und Schweizern nicht zuzutrauen, sich mit den Besten der Welt zu messen. Ich spüre ein gewisses Misstrauen.
Von den Konzertgängern?
Wir erhalten vom Publikum ein durchwegs positives Echo, was unsere Ausrichtung angeht. Es ist vielleicht eher ein Establishment der klassischen Musik, das noch Vorbehalte hat.
Kann man das Elitäre der klassischen Musik überwinden?
Ich glaube nicht. Wir versuchen uns auch nicht anzubiedern. Klassik ist keine leichte Kost, und ich finde, es ist ein grosser Fehler, wenn man klassische Musik als etwas Leichtes verkaufen will. Es ist oft eine hochkomplexe Musik, die man nicht nebenher hören kann. Man muss sich damit auseinandersetzen, darum ist sie anspruchsvoll. Anspruchsvoll ist das bessere Wort als elitär.
Wenn Sie aber ein breites Publikum erreichen wollen, können Sie nicht die ganz anspruchsvollen Werke bringen.
Wir bringen hin und wieder zeitgenössische Schweizer Werke. Aber es ist nicht mein primäres Ziel im Rahmen der Konzertreihe. Für die grossen Säle, in denen wir spielen, braucht es einen attraktiven Programm-Mix.
Das Kulturprozent vergibt auch Fördergelder. Was sind die Voraussetzungen?
Wir vergeben die Förderbeiträge nicht nur in der Musik, sondern auch im Theater oder im Tanz. Wer seit mindestens vier Jahren in der Schweiz lebt, kann sich anmelden. Die Kandidaten spielen einer Jury ein anspruchsvolles Programm vor, wie bei einem Wettbewerb. Zum einen erhalten die Talentiertesten unter ihnen einen Studienpreis in der Höhe von 14 400 Franken. Das bedeutet während eines Jahres 1250 Franken pro Monat zur Unterstützung während der Ausbildung. Darüber hinaus bekommen besonders begabte Studienpreisträger Förderpreise. Damit unterstützen wir den Nachwuchs mit Massnahmen wie Vermittlung von Auftritten, Karriereberatung oder Promotion.
Interview: Michael Feller
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