Klartext
über die Kultur-Flatrate
Kultur-Flatrate
Der Absatz im CD-Markt ist in den letzten Jahren eingebrochen. Hauptgrund dafür ist das illegale, kostenlose Herunterladen von Musik übers Internet. Den Musikerinnen und Musikern entgeht somit eine wichtige Einnahmequelle. Was kann man dagegen unternehmen? Der grüne Nationalrat Balthasar Glättli schlägt eine Kultur-Flatrate vor. Wir haben beim Berner Musiker Christoph Trummer nachgefragt, was er davon hält. Er ist Vizepräsident des kürzlich gegründeten Vereins Musikschaffende Schweiz.
Nationalrat Balthasar Glättli liebäugelt mit einer Kultur-Flatrate. Was ist darunter zu verstehen?
Grundsätzlich eine Abgabe, die die Urheberrechte von Werken entgelten soll, die im Internet konsumiert werden. Als Steuer entweder für die Haushalte oder auf dem Internetanschluss. Und da fangen auch schon die Probleme an: Wer bezahlt wie viel, wer ist berechtigt zu empfangen und wie soll das Geld verteilt werden? Auch Glättli weiss das, deshalb fordert er den Bundesrat explizit auf, auch andere Vergütungsmodelle zu prüfen.
Sie haben sich bislang skeptisch dazu geäussert. Was befürchtet der Verein Musikschaffende Schweiz?
Selbst wenn eine neue Steuer beim Volk durchkommen sollte – was unwahrscheinlich ist –, hätten wir lieber ein System, das die tatsächliche Nachfrage erfasst und entschädigt. Mit einer Pauschalabgabe wird die Bereitschaft, für kulturelle Produkte zu bezahlen, noch weiter abnehmen. Schon jetzt heisst es ja: Wir bezahlen schon für leere Tonträger Gebühren (die von der Suisa an die Musikschaffenden weitergegeben werden, Anm. d. Red.), dann bezahlen wir nicht auch noch für die Downloads. Der Schaden dieser Kultur-ist-gratis-Philosophie betrifft weit mehr als nur den Tonträgermarkt.
Der Verein Musikschaffende Schweiz ist im Januar dieses Jahres gegründet worden. Was war der Auslöser?
Der geradezu beleidigende Bericht des Bundesrates vom letzten November, laut dem kein Handlungsbedarf bestehe. Die Musiker könnten ja mehr Konzerte spielen. Da war klar: Im Bundeshaus hat man keine Ahnung von der Realität der Kulturschaffenden im Land. Aufklärung ist eines unserer Hauptthemen.
Findet der prominent besetzte Verein Gehör?
Das ist bereits geschehen. Sowohl das Postulat Glättli wie das Postulat Recordon sind Folgen unserer Initiative, die wir zusammen mit der Allianz gegen Internet-Piraterie gestartet haben. Der Bundesrat muss den Bericht zur Problematik also neu schreiben, und hoffentlich tut er es diesmal ernsthaft.
In der Schweiz kommen die Konsumenten ungeschoren davon, wenn sie Musik von illegalen Seiten downloaden. Sollte man das ändern?
Das ist nicht unser Hauptziel. Aber es ist schwer zu begründen, warum man für etwas zahlen soll, das man legal auch gratis haben kann. Wir wünschen uns hier also die Anpassung des Schweizer Rechts an die internationalen Bestimmungen. Unsere Fans vor Gericht zerren wollen wir aber nicht.
Wie bringt man die Menschen dazu, wieder für Musik zu bezahlen?
Sie bezahlen sehr wohl für Musik und Film, allerdings nicht uns, sondern denjenigen, die ihr Geschäft mit der ungebrochenen Nachfrage nach medialen Inhalten machen. Das sind etwa die Internet-Provider oder die Datenträgerhersteller; YouTube oder Facebook verdienen mit werbewirksamen Klicks. Die Frage ist: Wie kann man einen fairen Teil dieser Umsätze wieder zu den Urhebern holen? Die Fans, die ein Produkt in den Händen halten wollen, erreichen wir ja durchaus noch. Jetzt braucht es Lösungen, mit denen uns auch jene fair bezahlen, die lieber im Internet Musik streamen.
Interview: Michael Feller
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