Klartext
Photographische Gesellschaft Bern
120 Jahre Photographische Gesellschaft Bern
Ausstellung «120 Jahre Photographische Gesellschaft Bern»: Kornhausforum, Bern. Vernissage: Mi., 11.7., 19 Uhr
Ausstellung bis 11.8. www.pgbern.ch
Herr Negri, als Ihre Gesellschaft vor 120 Jahren gegründet wurde, war die Fotografie eine Pioniertechnik, heute hat jedes Handy eine Kamera. Hand aufs Herz, wozu braucht es Ihre Gesellschaft überhaupt noch?
Zuerst muss man sagen: Wir sind nichts anderes als ein Fotoklub. Unsere Mitglieder haben einfach etwas höhere Ambitionen als Otto Normalverbraucher. Wir versuchen, uns mit Workshops und Vorträgen weiterzubringen. Im Moment haben wir sogar einen Zulauf von Jungen, die lange Zeit keinem Verein beitreten wollten.
Hat Ihnen die Gruppe autodidaktischer Fotografinnen und Fotografen (Gaf) nicht längst den Rang abgelaufen?
Überhaupt nicht. Das sind Leute, die die Fotografie später als Beruf ausüben möchten. Die Gaf ist immer bei uns im Klubkeller, wir haben eine enge Beziehung.
Auf Ihrer privaten Website zitieren Sie den legendären Fotografen Nadar im Sinn, dass Fotografie die besten Denker angeregt habe, aber von jedem Dummkopf ausgeübt werden könne. Ist das nicht das Grundproblem?
Ich glaube nicht. Wenn man sich weniger mit dem Medium Fotografie als mit dem Bild beschäftigt, hat es eine andere Bedeutung. Wir wollen mit unseren Fotos eine Aussage machen. Diesen Anspruch hat man nicht, wenn man in den Ferien ein Erinnerungsbild schiesst.
Heute hat man digitale Fotografie und Bildbearbeitungsprogramme. Jeder, der will, kann lustige Collagen basteln. Aber damit ist der Fotografie nicht geholfen.
Absolut null, im Gegenteil. Als die Amateure in die Bildbearbeitung einstiegen, kam es zu Effektexzessen. Die Bilder erschienen im ersten Moment ungewöhnlich, aber deswegen hatten sie noch keinen Inhalt. Mich hat das tierisch genervt. Im Moment stelle ich bei den Amateuren glücklicherweise einen Trend fest zurück zur analogen Schwarz-Weiss-Aufnahme, die nicht mehr bearbeitet wird. Back to basics sozusagen.
Was ist Fotografie denn heute noch?
Allgemein ist die Fotografie heute einfach etwas, was man hat. Statt ein Bild im Kopf zu speichern, macht man eine Foto, es kostet ja auch nichts mehr. Dadurch kam es auch zu dieser Bilderflut. Für uns im Klub hat es eine andere Bedeutung, weil wir auch eine künstlerische Ambition haben. Früher hätten die meisten von uns wohl gemalt.
Sieht man bei Ihrer Jubiläumsausstellung im Kornhausforum die üblichen Landschaftsaufnahmen wie so oft bei Amateuren?
Wir haben diesmal das Thema Triptychon, dreiteilige Bildkompositionen zum Auf- und Zuklappen. Ich kann Ihnen sagen: Da sehen Sie längst nicht nur Landschaften!
Interview: Silvano Cerutti
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