Klartext
Mehr Verständnis für Clubkultur!
Zur Person
Arci Friede ist Teilhaber und Kommunikationsverantwortlicher im Club Bonsoir in Bern.
Es gibt weltweit wohl keine Stadt von der Grösse Berns, die sich einer derart vielseitigen und reichen Clubkultur rühmen darf, wie wir sie hier vorfinden. Weit mehr als ein Dutzend professionell geführter Clubs und etliche Off-Veranstalter bieten Wochenende für Wochenende und immer öfter auch unter der Woche musikalische oder zumindest musikalisch umrahmte Abend- und Nachtunterhaltung. Der «Ausgang» ist inzwischen ein ernst zu nehmender Wirtschaftszweig, der nicht nur eine lange Lieferkette nach sich zieht, sondern die Bundeshauptstadt auch für den Städtewettbewerb stark macht.
Trotz dieses Potenzials reichen die Stadtoberen dem Clubwesen nur zögerlich die Hand. Es scheint, als hafte uns immer noch der Ruf der Halbwelt an, als messe man uns ausschliesslich an den schlechten Beispielen, die es leider auch gibt. Wir können uns Mühe geben, gute Absichten traut uns jedoch kaum einer zu. Schliesslich verkaufen wir Alkohol und Zigaretten und spielen laute Musik. Und wenn man einmal ausserhalb der Ausgehspalten von unsereiner in der Zeitung liest, dann meist, weil ein unseriöser oder amateurhafter Kollege sich schlecht hervorgetan hat.
Zugegeben: Gegen uns zu sein, ist einfach. Auch oder gerade weil nur sehr wenige in Politik und Verwaltung so richtig verstehen (wollen), was die Clubkultur eigentlich ist. Während es selbstverständlich ist, dass zwischen dem Post-Kiosk-Roman und hoher Lyrik ein vielfarbiger Literaturfächer aufgeht und dass die Berliner Philharmoniker nicht in die gleiche Ecke wie das Rondo Veneziano zu stellen sind, weiss man in Berns kulturpolitischen Zirkeln und den uns gegenübergestellten Behörden nur wenig über die Nuancen in der Clubkultur.
Die Clubkultur ist zunächst einmal mehr als ein philosophisch aufgeblasener Begriff für den Partybetrieb. Sie ist ein internationales Phänomen, welches seit den 1970er-Jahren mehrere Entwicklungs- und Expansionsstufen hinter sich hat und heute so heterogen ist wie andere Kultursparten auch. Es gibt in ihr Schöpfer, Vermittler und Konsumenten, seriöse und unseriöse Akteure, engagierte und rein kommerziell orientierte Unternehmen. Sie fördert neue Musik, inspiriert Künstler aller Sparten, beeinflusst die Mode- und Medienwelt und bringt Menschen aus verschiedensten Lebenswelten zusammen. Sie ist Teil des Systems und nicht mehr wegzudenken.
Berns Regierende können es sich nicht weiter leisten, die Clubkultur nur zu dulden oder nebenher zu verwalten. Es braucht ein Kennenlernen und dann einen regelmässigen Dialog. Die Stadt kann davon nur profitieren, wenn sie uns als Teil der Lösung sieht.
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