Klartext
Mehr Unterstützung für die Kleinen!
Wir gehören zu den Kleinen. Nicht weil wir in unseren Kinderschuhen steckten; das lesbisch-schwule Filmfestival Queersicht gibt es nun bereits seit 14 Jahren. Wir hatten Zeit, uns ein treues und begeistertes Publikum aufzubauen. Jahr für Jahr kommen rund 3000 Besucherinnen und Besucher. Das Queersicht gehört dazu. Nicht weg zu denken ist es aus der spärlichen Berner Queer-Kultur. Schweizweit ist es bei Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern wohlbekannt, und international für queere Filmschaffende eine anerkannte Adresse. Für die allgemeine Berner Kulturlandschaft sind wir ein Beweis ihrer Vielseitigkeit.
Aber wir gehören zu den ganz Kleinen, wenn es in Bern um Kulturpolitik geht. Gerne gehen wir vergessen neben all den grossen Brocken. Vor allem der Förderbeitrag aus öffentlicher Hand ist klein – doch wir wollen Grosses. Und so findet sich ein engagiertes Team zusammen, erschafft ehrenamtlich, was es sonst schlicht nicht gäbe.
Kein Grund, mich über die Höhe der Fördergelder zu beklagen – denn wir funktionieren erstaunlich gut. Aber ich will ins Bewusstsein rufen, was mit wenig möglich wird. Ein kleiner Beitrag von Stadt und Kanton kann viel bewirken; vorausgesetzt, er fällt auf fruchtbaren Boden. So entstand das älteste lesbisch-schwule Filmfestival der Schweiz 1997 in der Reitschule. Die Stadt und der Kanton Bern verstanden bald, mit wenig, dafür regelmässigem Wasser aufkeimen zu lassen, was nun seit 14 Jahren blüht.
Was uns hingegen fehlt, ist das offizielle Bekenntnis hierzu. Ein Bekenntnis mit Worten und mit Taten nicht nur zu uns, sondern zu – gemessen an den Fördergeldern – kleinen Kulturveranstaltungen im Allgemeinen. Jährlich bangen wir um die Unterstützung aus öffentlicher Hand. Die für uns essenziellen Kulturstandorte müssen immer wieder verteidigt werden (Reitschule). Durch Auflagen werden sie viel teurer (Progr) oder kämpfen selbst um ihr Überleben (Das andere Kino). Zusätzlich verunmöglicht die unhaltbare Plakatierungssituation eine breite Wahrnehmung von «uns Kleinen».
All dies kann nicht einfach mit ehrenamtlicher Arbeit wettgemacht werden. Mit ehrenamtlicher Arbeit können sich Veranstalter wie wir keine APG-Plakate leisten; keine Inserate in Zeitungen schalten. Mit ehrenamtlichem Engagement allein können wir auch keine Veranstaltungsorte bauen, unterhalten oder uns an profitorientierten Orten einmieten. Wir brauchen nicht viel, wünschen uns aber, in unserem Engagement nicht unnötig beschnitten zu werden. Wir versuchen alles, um mit wenig viel zu erreichen. Genau das sollte eigentlich auch zum Sparen genötigte Kulturpolitiker von rechts bis links interessieren.
Damit aus Kleinem weiterhin Grosses entsteht, brauchen wir zugängliche und günstige Veranstaltungsorte, die Unterstützung in der öffentlichen Wahrnehmung mit besseren Plakatierungsmöglichkeiten und nicht zwingend höhere Fördergelder, aber eine längerfristige Zusicherungen der finanziellen Unterstützung.
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